Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.

← ExitCandida Phoenix Philosophica
Part I — Theorem VII

Nachdeme aber sehr viel daran gelegen / daß man den Schöpffer / und das Geschöpff / von einander unterscheide / auch mir insonderheit ratione dieser meiner profession, solchen Unterschied zu wissen / oblieget; Inmassen ich lieber wünschen wolte / dieser Königlichen Kunst privirt: als ein blosser practicus, ein Sudler und Laborant / und kein Philosophus (ob ich mich schon nur für den geringsten achte) zu seyn / oder allein notitiam, aber keine gründliche scientiam hierinne zu haben. In mehrer Erwegung / finis principalis dieses studii seyn solle / die Wunderwerck Gottes zu betrachten / und erkennen zu lernen / und dardurch zu ebenmässiger mehrer Erkantnuß des Allmächtigen Schöpffers / und also der rechten Weißheit zu gelangen / bevorab auch seines H. Nahmens Lob / Ehr und Preiß / desto mehr außzubreiten / und zu befördern; Gestalten die / so ihnen diß Orts einen andern Haupt-Zweck vorsetzen / eben die jenige seynd / welche von denen Philosophis, pro indignis gehalten / und deßwegen die Kunst so hefftig vor ihnen verborgen worden:

Als verhoffe / ich werde sothaner insimulation überhaben bleiben. In abermahliger consideration / nachfolgende Deduction zu meinem Vorhaben / und desto besserer Erkanntnuß der Materiæ lapidis, gleichfalls nicht wenig dienlich ist. Worzu mich dann auch vornemblich dieses bewogen / daß ich / seither gegenwärtige Frag in meinem Ersten von dem Regenwasser geschriebenen Tractätlein abgehandelt / in dieser Kunst und in praxi, sonder Ruhm zu melden / dergestalt zugenommen / daß ich dem Allerhöchsten darvor nicht gnugsamb Danck zu sagen weiß / und demnach im Werck erfahren / was von Ihr Hochfürstl. Durchl. Herrn / Herrn Hertzog Ernsten zu Sachsen Gotha &c. hochseel. auß dero Hochfürstl. Mund / ich hiebevor unwürdig unterthänigst vernommen: Wann man zuvorderst Gottes Ehre sucht / so gibt derselbe auch Weißheit und Verstand zu andern Sachen.

Derowegen meine schuldige Danckbarkeit gegen dem Allgütig- und barmhertzigen GOtt in etwas zu beobachten / ich Gottes des H. Geistes Ehr / so viel an mir / als dem unwürdig- und geringsten / hierdurch ferner zu retten / nicht unterlassen können. Zur Frag an sich selbsten nun zu schreiten / seynd der jenigen / so zu behaupten vermeynen / daß offtberührter Geist / Gott der H. Geist seye / vornehmste fundamenta, meines wissens / folgende / und zwarn: Erstlich das Wörtlein Ruah, und sonderlich das darbey stehende Wort Elohim. Zweytens die in unsern Teutschen Evangelischen Biblien befindliche Gloss: Wind ist dazumahl nicht gewesen / darumb muß es den H. Geist bedeuten. Welche etliche anjetzo auff nachfolgende Weiß ergrössern / in deme sie hinzu setzen und sagen: Der H. Geist habe die damahls erschaffen gewesene beede erste Stück / das Gewässer und die Erd / außbreiten und vollkommen machen müssen.

Drittens / wird communis opinio, fast aller im Römischen Reich passirlichen Religionen vorgeschützt &c. hingegen aber seynd die formalien des Textes selbst zuerwegen / welche der Grundsprache nach ohngefehrlich also lauten: Im Anfang schuff (oder hat geschaffen) Gott / das Gewässer / die Erde / und die Erde war öd und leer. Und es war eine Finstere ob der Gestalt der Tieffe / und der Geist Gottes schwebet ob dem Ansehen des Gewässers. Da dann erstlich wer geschaffen / und der Schöpffer seye / vermeldet wird / nemblich: Elohim: das ist GOtt der Vatter / GOtt der Sohn / und GOtt der H. Geist. Inmassen dieses Wort / Elohim, als sonderlich der pluralis (und nicht nur der dualis), des Worts Eloha, von der gantzen Christenheit dahin verstanden wird / wie es auch David bereits hiebevor in der Jüdischen Kirchen also erklärt hat / wann er im 33. Psalm gesprochen:

Der Himmel ist durchs Wort des HERRN gemacht / und alle sein Heer durch den Geist seines Mundes. Gestalten er hiemit nicht allein GOtt den Vatter / mit dem Wort HERR / sondern auch GOtt den Sohn / als des Vatters Ewiges selbständiges Wort / ingleichem GOtt den H. Geist / in dem Er sagt: Durch den Geist seines Mundes &c. unterschiedlich nahmhafftig macht / und daß der Himmel / und dessen Heer / durch diesen Dreyeinigen Gott erschaffen worden / und also das Wort: Elohim: die Heilige Dreyeinigkeit bedeute / bezeuget. Für Eins. Am andern so wird in obigen Worten / auch angezeigt / was geschaffen worden / nemblich: Das Gewässer / die Erde / die Tieffe / die Finsternuß / und der Geist Gottes. Worbey auch außtrücklich vermeldet wird / daß dieser Geist auff dem Wasser geschwebt / und nicht daß Er geschaffen / oder die beede damahls erschaffen in einander gelegene Stück (das Gewässer und die Erde) vollkommen gemacht habe.

Dannenhero / und weiln hierauß sattsam und überflüssig erhellet / daß Gott der H. Geist durch das Wort: Elohim: als ein Schöpffer mit bemerckt / und dargegen dieser Geist under denen specificirten Geschöpffen / gleichfalls erzehlter massen außtrücklich benahmset; Zu deme / wie ebenmässig erwehnt / nichts anders / weder daß Er auff dem Wasser geschwebt / und nicht daß Er etwas geschaffen / oder vollkommen gemacht habe / von ihme prædicirt wird; So folgt abermahl unwidersprechlich / daß Er ein erschaffener / und nicht Gott der H. Geist seye. Sintemahln und was zum Ersten das Wörtlein Ruah anbetrifft / dardurch jederzeit in H. Schrifft der Wind und Lufft (wie ich so wohl bey einem und andern guten Authore, gefunden / als auch durch andere gelehrte Leuthe / und nicht weniger Hebræer, mich dessen / und was mir sonsten zu dieser profession von der Hebræischen Sprach nöthig / belehren lassen: Dann ich gern bekenne / daß ich derselben und anderer Orientalischen Sprachen wenig kundig bin) beschrieben wird.

Das Wort Elohim aber anreichend / ist nicht allein vorhero gnugsam demonstrirt worden / welcher gestalt solches die H. Dreyeinigkeit / und also Gott den H. Geist mit bedeute / sondern auch bekannt / daß die Hebræer keinen superlativum in ihrer Grammatic haben / und derowegen / an statt desselben sich des Nahmens Gottes gebrauchen / als der Berg Gottes / die Stadt Gottes / &c. das ist ein vortrefflicher hoher Berg: eine vortreffliche grosse Stadt: Inmassen von sothaner Hebräischen Redart / Dr. Dannhauer in seiner Passions-Predigt / außführlicher discurriret; Also mag es alhier auch heissen: der vortreffliche grosse Geist; Wie er dann test. Author. der Offenbahrung Göttlicher Majestät / das gröste Geschöpff Gottes ist. Derohalben es abermahl darbey bleibt / daß dieser Geist ein erschaffener und nicht Gott der H. Geist seye. In gleichmässiger Erwegung / man auch sonsten in H. Schrifft lieset / daß (zum Exempel) Elias ebenfalls ein Mann Gottes geheissen worden / da er doch nicht Gott gewesen.

So mag auch im übrigen solcher Geist / gleichwohl / als ein Geschöpff Gottes nach seinem Schöpffer / in Betrachtung derselbe heilig ist / heilig genannt werden. Gantz ohne jedoch / daß er darumb Gott der H. Geist seyn müsse. Zweytens / die / in unsern Teutschen Biblien befindliche glossam anbelangend / venerir- und ehre ich zwar des Authoris Gedächtnuß. Es zeigen aber solche seine eigene Wort an / daß er dieser seiner Meynung ungewiß: Gestalten ich auch an meinem wenigen Ort (wiewohl nicht als ein Theologus, sondern als der geringste Physicus) außtrücklich widerspreche / daß der Wind damahls noch nicht gewesen sey. Zumahln Wind und Lufft / nicht nur in heiliger Schrifft eines ist / sondern auch von denen Philosophis vor eins gehalten wird; Wie dann Nuysement außtrücklich sagt: Ventus nihil aliud est, quam aer commotus &c. auch unten im andern Theil davon geredt werden wird.

So hab ich oben mit der Erfahrung selbst erwiesen / daß dieser Geist / welcher in der Schöpffung auff dem Wasser geschwebt / und noch darauff schwebt / auß dem Wasser herkommen und geschaffen worden. Welcher / sage ich nochmahln / der Wind und Lufft / und der Philosophorum Spiritus Mundi ist: Dann ob sie schon etwa einen andern darfür halten und außgeben / oder erdichten / so thut doch solches ex merâ & nimiâ subtilitate, und keinen wahren Gründen und Ursachen herfliessen / und ist also eine falsche opinion. Inmassen auch bey den alten Philosophis, als dem Gerlando, Lullio, Villa Nova, Comite Bernhardo, und andern mehr / meines wissens / nichts darvon gefunden wird; Wie nicht weniger Theophrastus, meines abermahligen wissens / allein seiner Huyle, oder Alkaests gedencket.

Ferner ist auch / meines wenigen wissens / gar frembd (damit ich nicht sage ungeräumbt) geredt / wann man die beede Stück / das Gewässer und die Erde / ein confusum Chaos (Item eine indigestam Molem, eine unvollkommene Massam, einen untüchtigen Klumpen / und Mischmasch &c.) nennen / und ob hätte der H. Geist dieselbe nach deren Erschaffung erst außbreiten und vollkommen machen müssen / vorgeben will. Angesehen GOtt der HErr nichts unordentliches noch untüchtiges gemacht hat. Gestaltsamb durch dergleichen Reden und schöne Epitheta, der Göttlichen Allmacht und Allweißheit / nicht wenig zu nahe geredt / und so viel bedeutet wird / als wann Gott der HErr nicht so mächtig und weiß gewesen wäre / eine solche Massam und Materiam, die an sich selbst vollkommen / und die Kräffte der gantzen Natur / und Samen aller sichtigen Dinge &c. in sich gehabt (wie biß dahero erwiesen worden / und unten im andern Theil noch weiter / so wohln auch daß solche massa und materia ein gleichförmiges Wasser gewesen / nach Nothdurfft tam à posteriori, quam à priori erwiesen werden wird) gleich anfangs und auß nichts zu erschaffen.

Und ob man sich zwar hierdurch zu salviren vermeynet / in deme man unter Gottes Willen / und Gottes Allmacht distinguirt und vorwendet / daß sothane Reden der Allmacht Gottes nicht nachtheilig: Dann man bekenne / daß es GOtt nach seiner Allmacht wohl thun / und gleich anfangs eine vollkommene materiam erschaffen können / aber Er hats nicht thun wollen. So ist und bleibt es doch nichts desto weniger / vermög gegenwärtiger so wohln auch angeregter im andern Theil folgender gründlich- und wahrhafften Deduction, der Warheit und per consequens, dem Allerhöchsten / der die Warheit selbst ist / und insonderheit Gott dem H. Geist / als dem Lehrer der Warheit / viel zu nahe und zu wider geredt. In gleichmässiger consideration und Betrachtung / so wenig das Wort Schamaym jemahls ein confusum Chaos, eine unvollkommene Massa, ein indigesta Moles, ein untüchtiger Klump und Mischmasch &c. geheissen / oder noch heissen kan / eben so wenig hat Gott der H. Geist auff dem Wasser geschwebt / und dasselbe und die Erde / nach deren Erschaffung erst außbreiten und vollkommen machen müssen.

Allermassen und so viel das dritte obangeführte Argument, nemblich communem opinionem anbelangt / solche alhier / und zwar weder in einem noch dem andern statt finden mag / anerwogen / uns in gantzer H. Schrifft an keinem Ort gebotten wird / daß wir derselben allezeit inhæriren / und Beyfall geben müssen / sondern und wie GOtt der HERR dem Moysi (Exod.23.cap.) befihlet: Du solt nicht folgen der Menge zum Bösen &c. Also warnet auch der grosse Heyden-Lehrer Paulus: Daß wir alles prüfen / und was gut ist behalten sollen. Et notum quoque est illud vulgare: Errantium multitudo, errori non parit patrocinium.

Contents

Sign in to save your reading →