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Part I — Theorem VII

Daß die (sonsten also genannte) Causa efficiens dieser universal-Medicin, eben der jenige grosse Geist seye / davon an offt allegirten Ort (Gen. cap.1.) der Text meldet: Und der Geist Gottes schwebet auff dem Wasser.

Nemblichen der H. Lufft / in deme alle lebendig- und wachsende Dinge sich regen und bewegen / der auch alle wesentliche Stücke stets durchdringt / und in demselben die Kunstgänge macht / damit die Grundfeuchtigkeit hinnach fliessen / und allen lebendig- und wachsenden Dingen / die Speiß und Nahrung in ihre Glieder einführen möge: Gestalten Er alle Dinge erfrischt / erquickt und bey dem Leben erhält / und jedes auff sein Ziel fördert; wie auch ohne denselben sich nichts in der Welt regen oder bewegen / noch ichtwas das Leben haben kan / sondern alle andere Elementa selbst vergehen / das Feuer nicht bestehen / die Erde zerfallen / und das Wasser erstarren / wann sie solches Geistes entbehren müsten.

Deßgleichen so ist Er in denen Animalien animalisch / in denen Vegetabilien vegetabilisch / und in denen Mineralien mineralisch. Inmassen / und ob er wol an sich selbst ein durchauß gleichförmiger Geist / auch solch sein gleichförmig Wesen jederzeit behält / derselbe jedoch darbenebenst aller Art / Kräfften / Würckung- und Eigenschafften fähig: Und dieser ist der / von denen Philosophen also genannte Spiritus Mundi, die materia universalis &c. Welcher aber / wie sie ebenfalls recht schreiben / in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen; Gleichwohl von GOtt dem Allmächtigen nach seiner unerforschlichen Weißheit / in alle sichtig- und begreiffliche Creaturen eingeschlossen / also darinn zu finden / und darauß zu einer universal-Medicin zu ziehen.

Nachdem nun diß Orts gesagt und gefragt werden möchte: Wie erstlich dieses zu verstehen / daß vorhero gemeldet worden / Es sey keine Natur / die etwas würcke / und dannoch offtberührter Spiritus alhier die causa efficiens der universal Medicin geheissen: Anbey auch / was gestalt die Philosophi ihn materiam universalem nennen / erwehnt: Ingleichem angedeutet werde / wie er in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen / sondern auß denen sichtigen Creaturen / darein ihn der Allerhöchste nach seiner unerforschlichen Weißheit eingeschlossen / zu extrahiren &c. Da man zumahl aller sichtig- und begreifflichen Creaturen gedencke; Hingegen aber oben / daß zu præparirung einer universal Medicin auch ein Subjectum catholicum gehöre / statuirt / und alle andere / als die Particularia darvon außgeschlossen worden.

Am andern seye auch gemeldet worden / daß dieser Spiritus eines durchauß gleichförmigen Wesens / und sothanes sein gleichförmiges Wesen jederzeit behalte / darneben jedoch aller Art / Kräffte / und Aigenschafften &c. fähig sey &c. welches ebenmässig nicht wol zu fassen. Als ist hierauff zu wissen / was massen nemblichen / solches alles philosophicè und nicht sophisticè zu verstehen. Insonderheit aber bleibts darbey / daß proprie und simpliciter darvon zu reden / keine Natur sey / die etwas würcket; Gleichwohl kan dieser Spiritus alhier / auch sonsten suo modo & secundum quid, nemblichen was die mineralische Natur anbelangt / die causa efficiens: Imgleichen mit Basilio ein übernatürlicher geistlicher Mercurius, genennet werden / wie unten im andern Theil auch Meldung geschehen / dahin sich dann wiederumb beruffen wird.

Zu deme habe ich diesen sonsten gemeinen und wohl bekannten / auch in Philosophia vulgari sehr üblichen Terminum (causa efficiens) eigentlich darumb gebrauchen wollen / damit meine Meynung dardurch desto mehr verstanden werden mögte. Gestalten durch solchen Spiritum das Corpus auffgeschlossen / welcher auch wiederumb der Copulator ist / vermittelst dessen die Seele dem Leib wieder beygefügt wird / worvon auff dießmahl genug. Im übrigen aber ist dies Orts gleichfalls inter concretum & abstractum zu distinguiren. Abstractivè enim loquendo, kan dieser Spiritus sonderlich alhier und in Regno minerali, die causa efficiens, ut iterum ita dicam, genennet werden &c. Concretè autem, und wann man die übrige Principia und Elementa mit darunter verstehet / so ist er die materia universalis. Inmassen auch ausser deme kein Element ohne das ander ist / und ab nachfolgendem discurs mit mehrerm zu vernehmen seyn wird.

Und zwar daß ich gesagt habe: Dieser Spiritus seye in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen / sondern auß denen sichtigen Creaturen / darein ihn GOTT nach seiner unerforschlichen Weißheit eingeschlossen / zu ziehen &c. Da ist zu observiren / was der Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät berichtet / nemblichen: Daß das Wasser erstlich unsichtig gewesen / und folgends von Gott mit einer Schale überzogen worden / damit dasselbe ein ansehen bekommen. Worbey dann wiederumb zu mercken / daß diese Schale zweyfach / nemblich eine substantial- und eine accidentalische; Gleichwie auch zweyerley Arten der Scheidung seynd / und von denen Philosophis beschrieben werden. Die eine nennen sie eine Auffschließ- und Zerlegung: Item eine Zertheil- und Abschneidung der widerwärtigen und überflüssigen Ding / so keine Verbündnuß der Natur mit der Substanz haben: Eine separation des subtilen vom groben / eine remotion und Abschaffung der Elementarischen Superfluiteten und Excrementen.

Die andere Art der Scheidung wird allein eine distinctio der in situ & figurâ ungleichen / wegen der Substanz und Kräffte aber einander verwanden Theile geheissen / worvon Nuysemann gleichfalls gar schön discurriret. Die erste Art der Scheidung anbelangend / gehört dieselbe vornemblich hiehero / als davon unser Werck angefangen / wie auch dardurch vorgedachte accidental-Schale (nechst vorhergehender reduction unsers Subjecti in primam materiam) removirt und abgeschafft wird; Alwo ich dann ferner zu annotiren nicht umbgehen kan / was gestalt bey den Hermeticis auch wohl das jenige / so bey denen Philosophis vulgaribus, die materia secunda pro materia prima: und hinwiederumb / was bey diesen die materia prima ist / bey jenen pro materia secunda pflegt genommen zu werden. Massen alhier die reductio in primam materiam eines theils in solchem Verstand zu acceptiren: Anders theils aber auch an sich selbst statt hat; ob sie schon sonsten / und in denen particularien / wie obgedacht / keines wegs Platz finden noch geschehen mag.

Die andere Art der Scheidung anreichend / ist oben in Prooemio gegenwärtigen Ersten Theils erwehnet worden / daß die Hermetische Kunst / eine Imitatio und Nachahmung sey / des grossen Wercks der Schöpffung. Gleichwie nun GOtt / der HErr in der Schöpffung die Elementa nicht würcklich geschieden / sondern je eines in dem andern bleiben lassen / gestaltsamb in einem jeden die übrige alle zu finden; Als welche auch allein ratione situationis, superioritatis nimirum & inferioritatis, distinguirt, keines wegs aber von einander getrennet / oder getheilet seynd. Derowegen der seel. Arnd recht sagt: Daß die gantze Natur aneinander hange: und Homerus der referent. Nuysemann. nicht weniger ein Philosophus, als ein Poet gewesen seyn soll / spricht insonderheit auch nachdencklich: Daß die Erde mit einer guldenen Kette an den Himmel gehefftet sey.

Also ist es nicht weniger hiermit in unserer Kunst beschaffen / da wir zwar die drey: Mercurius, Sulphur und Sal genannte Principia, jedes absonderlich extrahiren und scheiden. Es ist aber der Mercurius nicht absque Sulphure und Sale, der Sulphur nicht absque Sale & Mercurio, und das Sal nicht absque Mercurio und Sulphure. Welches unser Philosophisches truckenes / die Hand nicht nätzendes Wasser zugleich die Schale / und das vehiculum ist / vermittelst dessen / wir diesen dreyfach- oder dreyeckichten Geist zur Hand und Gesicht bringen / und in dreyen unterschiedlichen Gestalten vor Augen stellen / auch sonsten unserer Kunst gemeeß tractiren können. Und solche Schale mag so wenig von den andern Elementen / als dieselbe von diesem geschieden werden; Inmassen der jenige / der sich die Elementen zu scheiden einbilden und rühmen / sich selbsten und andere betrügen wird.

Das Subjectum artis anbetreffend: Obschon in gegenwärtigem discurs aller sichtig- und begreifflichen Creaturen / und daß vielberührter Spiritus darinn befindlich / gedacht worden. Dieweil aber derselbe / wie ebenmässig erwehnt / in denen Animalien animalisch / in denen Vegetabilien vegetabilisch / und in denen Mineralien mineralisch: Als bleibts nicht weniger darbey / daß zu einer universal-Medicin, auch ein Subjectum universale und catholicum gehörig sey; Wie in folgender Resolution und Antwort / auff die zweyte Frag oder dubium erleutert / sowohln unten im andern Theil wiederholt werden wird. Und so viel von der ersten alhier movirten Frag / oder dubio. Die andere Frag / oder dubium aber anbelangend / wird dasselbe auch ohnschwer zu resolviren seyn / wann man distinguirt, inter potentiam universalem, & potentiam particularem. Quoad potentiam universalem, behält dieser Geist sein durchauß gleichförmiges Wesen. Quoad potentiam particularem autem, ist Er / wie mehr erwehnt / in denen animalien animalisch / in denen vegetabilien vegetabilisch / und in denen mineralien / mineralisch.

Darumb Er dann nochmahln auß solchen particularien zu keiner universal-Medicin zu ziehen. In Betrachtung / obwohln mehrberührter Geist auch in denselben quoad potentiam primam sein gleichförmig Wesen angeregter massen behält; so ist er doch quoad potentiam secundam schon specificirt / und also nicht mehr universalisch. Zu unserm hauptsächlichen Zweck und Vorhaben mich wiederumb zu wenden / wäre noch übrig / den oben Theoremat.4. angeführten Einwurff zu beantworten / nemblichen: Daß man der ersten von Gott erschaffenen Materiæ, darauß alles andere geschaffen worden / nunmehr nicht theilhafft- und fähig werden könne. Nachdeme aber derselbe durch die bißherige sattsam- und gründliche Deduction ohne das stattlich widerlegt; Massen dann darauß gnugsam zu ersehen ist / daß man sothaner von Gott erstlich erschaffenen / oder sonsten so genannten Materiæ remotæ, wol habhafft werden könne; wie auch abermahl unten im andern Theil gemeldet werden wird.

Als achte ich unnöthig / mich deßwegen ferner absonderlich auffzuhalten / sondern schliesse hiemit nochmahln: Daß auß dem Regenwasser (ebenfalls) eine universal-Medicin zuwegen zu bringen sey. Hierüber und zum Beschluß fragt sichs: Weil vielbedeuteter Geist ein Geist Gottes: Item der H. Lufft genennet / und doch auch gedacht wird / daß Er auß dem Wasser herkommen und geschaffen worden: Ob dann derselbe ein erschaffener oder Gott der H. Geist seye? Wiewohln ich mich dieser Frag vielleicht enthalten solte / zumahl und in Betrachtung / ich sonsten insimulirt werden möchte / als wolte ich den Fuß in einen andern Reihen setzen / und denen Herren Theologis vorgreiffen.

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