Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.
Daß die (sonsten also genannte) Causa efficiens dieser universal-Medicin, eben der jenige grosse Geist seye / davon an offt allegirten Ort (Gen. cap.1.) der Text meldet: Und der Geist Gottes schwebet auff dem Wasser.
Nemblichen der H. Lufft / in deme alle lebendig- und wachsende Dinge sich regen und bewegen / der auch alle wesentliche Stücke stets durchdringt / und in demselben die Kunstgänge macht / damit die Grundfeuchtigkeit hinnach fliessen / und allen lebendig- und wachsenden Dingen / die Speiß und Nahrung in ihre Glieder einführen möge: Gestalten Er alle Dinge erfrischt / erquickt und bey dem Leben erhält / und jedes auff sein Ziel fördert; wie auch ohne denselben sich nichts in der Welt regen oder bewegen / noch ichtwas das Leben haben kan / sondern alle andere Elementa selbst vergehen / das Feuer nicht bestehen / die Erde zerfallen / und das Wasser erstarren / wann sie solches Geistes entbehren müsten.
Deßgleichen so ist Er in denen Animalien animalisch / in denen Vegetabilien vegetabilisch / und in denen Mineralien mineralisch. Inmassen / und ob er wol an sich selbst ein durchauß gleichförmiger Geist / auch solch sein gleichförmig Wesen jederzeit behält / derselbe jedoch darbenebenst aller Art / Kräfften / Würckung- und Eigenschafften fähig: Und dieser ist der / von denen Philosophen also genannte Spiritus Mundi, die materia universalis &c. Welcher aber / wie sie ebenfalls recht schreiben / in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen; Gleichwohl von GOtt dem Allmächtigen nach seiner unerforschlichen Weißheit / in alle sichtig- und begreiffliche Creaturen eingeschlossen / also darinn zu finden / und darauß zu einer universal-Medicin zu ziehen.
Nachdem nun diß Orts gesagt und gefragt werden möchte: Wie erstlich dieses zu verstehen / daß vorhero gemeldet worden / Es sey keine Natur / die etwas würcke / und dannoch offtberührter Spiritus alhier die causa efficiens der universal Medicin geheissen: Anbey auch / was gestalt die Philosophi ihn materiam universalem nennen / erwehnt: Ingleichem angedeutet werde / wie er in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen / sondern auß denen sichtigen Creaturen / darein ihn der Allerhöchste nach seiner unerforschlichen Weißheit eingeschlossen / zu extrahiren &c. Da man zumahl aller sichtig- und begreifflichen Creaturen gedencke; Hingegen aber oben / daß zu præparirung einer universal Medicin auch ein Subjectum catholicum gehöre / statuirt / und alle andere / als die Particularia darvon außgeschlossen worden.
Am andern seye auch gemeldet worden / daß dieser Spiritus eines durchauß gleichförmigen Wesens / und sothanes sein gleichförmiges Wesen jederzeit behalte / darneben jedoch aller Art / Kräffte / und Aigenschafften &c. fähig sey &c. welches ebenmässig nicht wol zu fassen. Als ist hierauff zu wissen / was massen nemblichen / solches alles philosophicè und nicht sophisticè zu verstehen. Insonderheit aber bleibts darbey / daß proprie und simpliciter darvon zu reden / keine Natur sey / die etwas würcket; Gleichwohl kan dieser Spiritus alhier / auch sonsten suo modo & secundum quid, nemblichen was die mineralische Natur anbelangt / die causa efficiens: Imgleichen mit Basilio ein übernatürlicher geistlicher Mercurius, genennet werden / wie unten im andern Theil auch Meldung geschehen / dahin sich dann wiederumb beruffen wird.
Zu deme habe ich diesen sonsten gemeinen und wohl bekannten / auch in Philosophia vulgari sehr üblichen Terminum (causa efficiens) eigentlich darumb gebrauchen wollen / damit meine Meynung dardurch desto mehr verstanden werden mögte. Gestalten durch solchen Spiritum das Corpus auffgeschlossen / welcher auch wiederumb der Copulator ist / vermittelst dessen die Seele dem Leib wieder beygefügt wird / worvon auff dießmahl genug. Im übrigen aber ist dies Orts gleichfalls inter concretum & abstractum zu distinguiren. Abstractivè enim loquendo, kan dieser Spiritus sonderlich alhier und in Regno minerali, die causa efficiens, ut iterum ita dicam, genennet werden &c. Concretè autem, und wann man die übrige Principia und Elementa mit darunter verstehet / so ist er die materia universalis. Inmassen auch ausser deme kein Element ohne das ander ist / und ab nachfolgendem discurs mit mehrerm zu vernehmen seyn wird.
Und zwar daß ich gesagt habe: Dieser Spiritus seye in seiner nuda & simplici spirituali forma nicht zu bekommen / sondern auß denen sichtigen Creaturen / darein ihn GOTT nach seiner unerforschlichen Weißheit eingeschlossen / zu ziehen &c. Da ist zu observiren / was der Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät berichtet / nemblichen: Daß das Wasser erstlich unsichtig gewesen / und folgends von Gott mit einer Schale überzogen worden / damit dasselbe ein ansehen bekommen. Worbey dann wiederumb zu mercken / daß diese Schale zweyfach / nemblich eine substantial- und eine accidentalische; Gleichwie auch zweyerley Arten der Scheidung seynd / und von denen Philosophis beschrieben werden. Die eine nennen sie eine Auffschließ- und Zerlegung: Item eine Zertheil- und Abschneidung der widerwärtigen und überflüssigen Ding / so keine Verbündnuß der Natur mit der Substanz haben: Eine separation des subtilen vom groben / eine remotion und Abschaffung der Elementarischen Superfluiteten und Excrementen.
Die andere Art der Scheidung wird allein eine distinctio der in situ & figurâ ungleichen / wegen der Substanz und Kräffte aber einander verwanden Theile geheissen / worvon Nuysemann gleichfalls gar schön discurriret. Die erste Art der Scheidung anbelangend / gehört dieselbe vornemblich hiehero / als davon unser Werck angefangen / wie auch dardurch vorgedachte accidental-Schale (nechst vorhergehender reduction unsers Subjecti in primam materiam) removirt und abgeschafft wird; Alwo ich dann ferner zu annotiren nicht umbgehen kan / was gestalt bey den Hermeticis auch wohl das jenige / so bey denen Philosophis vulgaribus, die materia secunda pro materia prima: und hinwiederumb / was bey diesen die materia prima ist / bey jenen pro materia secunda pflegt genommen zu werden. Massen alhier die reductio in primam materiam eines theils in solchem Verstand zu acceptiren: Anders theils aber auch an sich selbst statt hat; ob sie schon sonsten / und in denen particularien / wie obgedacht / keines wegs Platz finden noch geschehen mag.
Die andere Art der Scheidung anreichend / ist oben in Prooemio gegenwärtigen Ersten Theils erwehnet worden / daß die Hermetische Kunst / eine Imitatio und Nachahmung sey / des grossen Wercks der Schöpffung. Gleichwie nun GOtt / der HErr in der Schöpffung die Elementa nicht würcklich geschieden / sondern je eines in dem andern bleiben lassen / gestaltsamb in einem jeden die übrige alle zu finden; Als welche auch allein ratione situationis, superioritatis nimirum & inferioritatis, distinguirt, keines wegs aber von einander getrennet / oder getheilet seynd. Derowegen der seel. Arnd recht sagt: Daß die gantze Natur aneinander hange: und Homerus der referent. Nuysemann. nicht weniger ein Philosophus, als ein Poet gewesen seyn soll / spricht insonderheit auch nachdencklich: Daß die Erde mit einer guldenen Kette an den Himmel gehefftet sey.
Also ist es nicht weniger hiermit in unserer Kunst beschaffen / da wir zwar die drey: Mercurius, Sulphur und Sal genannte Principia, jedes absonderlich extrahiren und scheiden. Es ist aber der Mercurius nicht absque Sulphure und Sale, der Sulphur nicht absque Sale & Mercurio, und das Sal nicht absque Mercurio und Sulphure. Welches unser Philosophisches truckenes / die Hand nicht nätzendes Wasser zugleich die Schale / und das vehiculum ist / vermittelst dessen / wir diesen dreyfach- oder dreyeckichten Geist zur Hand und Gesicht bringen / und in dreyen unterschiedlichen Gestalten vor Augen stellen / auch sonsten unserer Kunst gemeeß tractiren können. Und solche Schale mag so wenig von den andern Elementen / als dieselbe von diesem geschieden werden; Inmassen der jenige / der sich die Elementen zu scheiden einbilden und rühmen / sich selbsten und andere betrügen wird.
Das Subjectum artis anbetreffend: Obschon in gegenwärtigem discurs aller sichtig- und begreifflichen Creaturen / und daß vielberührter Spiritus darinn befindlich / gedacht worden. Dieweil aber derselbe / wie ebenmässig erwehnt / in denen Animalien animalisch / in denen Vegetabilien vegetabilisch / und in denen Mineralien mineralisch: Als bleibts nicht weniger darbey / daß zu einer universal-Medicin, auch ein Subjectum universale und catholicum gehörig sey; Wie in folgender Resolution und Antwort / auff die zweyte Frag oder dubium erleutert / sowohln unten im andern Theil wiederholt werden wird. Und so viel von der ersten alhier movirten Frag / oder dubio. Die andere Frag / oder dubium aber anbelangend / wird dasselbe auch ohnschwer zu resolviren seyn / wann man distinguirt, inter potentiam universalem, & potentiam particularem. Quoad potentiam universalem, behält dieser Geist sein durchauß gleichförmiges Wesen. Quoad potentiam particularem autem, ist Er / wie mehr erwehnt / in denen animalien animalisch / in denen vegetabilien vegetabilisch / und in denen mineralien / mineralisch.
Darumb Er dann nochmahln auß solchen particularien zu keiner universal-Medicin zu ziehen. In Betrachtung / obwohln mehrberührter Geist auch in denselben quoad potentiam primam sein gleichförmig Wesen angeregter massen behält; so ist er doch quoad potentiam secundam schon specificirt / und also nicht mehr universalisch. Zu unserm hauptsächlichen Zweck und Vorhaben mich wiederumb zu wenden / wäre noch übrig / den oben Theoremat.4. angeführten Einwurff zu beantworten / nemblichen: Daß man der ersten von Gott erschaffenen Materiæ, darauß alles andere geschaffen worden / nunmehr nicht theilhafft- und fähig werden könne. Nachdeme aber derselbe durch die bißherige sattsam- und gründliche Deduction ohne das stattlich widerlegt; Massen dann darauß gnugsam zu ersehen ist / daß man sothaner von Gott erstlich erschaffenen / oder sonsten so genannten Materiæ remotæ, wol habhafft werden könne; wie auch abermahl unten im andern Theil gemeldet werden wird.
Als achte ich unnöthig / mich deßwegen ferner absonderlich auffzuhalten / sondern schliesse hiemit nochmahln: Daß auß dem Regenwasser (ebenfalls) eine universal-Medicin zuwegen zu bringen sey. Hierüber und zum Beschluß fragt sichs: Weil vielbedeuteter Geist ein Geist Gottes: Item der H. Lufft genennet / und doch auch gedacht wird / daß Er auß dem Wasser herkommen und geschaffen worden: Ob dann derselbe ein erschaffener oder Gott der H. Geist seye? Wiewohln ich mich dieser Frag vielleicht enthalten solte / zumahl und in Betrachtung / ich sonsten insimulirt werden möchte / als wolte ich den Fuß in einen andern Reihen setzen / und denen Herren Theologis vorgreiffen.