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Part II — Conclusion

Beschluß.

Also habe ich den Philosophischen Phœnicem und die Materiam universalem, vermittelst der Gleich- und Geheimnuß des Regenwassers / sowohln auch erstgedachte Materiam universalem an sich selbst / was dieselbe nach ihrem Wesen und Eigenschafft sey / auffrichtig beschrieben / dabenebenst auch durch deutliche Vortragung der waaren Philosophischen Principien eine solche Theoriam an Tag gegeben / darauß gewißlich eine gute Practic folgen kan / und per consequens das Studium Philosophicum Hermeticum und Rempublicam Spagiricam verhoffentlich nicht wenig befördert: Dann es ist Eingangs / was massen die Hermetische Philosophia in Theoria und Praxi bestehe / erwehnet / deßgleichen in Prooemio des andern Theils gedacht worden / daß die irrige labores auß einer gleichfalls irrigen Theoria herfliessen.

Gestalten und in etwas ad speciem zu gehen / mancher und wohl sehr viele des Philosophischen Wercks sich unterfangen / und doch weder Anfang / noch Ende / weder was der Lapis Philosophorum, noch dessen Materia, was die Philosophische Principia, was der Ursprung der Metallen / und deren Wurtzel und so genanntes Semen, auch worinn dasselbe zu finden und anzutreffen / eben so wenig was sonsten ins gemein die Natur und die principia rerum seyen / gewißt / dahero auch unmöglich gewesen / daß sie den Proceß und das Mittel zu ihrem Zweck zu gelangen / recht treffen können:

Und zwar wiederumb insonderheit etwas von der materia Lapidis zu gedencken: Wann (zum Exempel) die Philosophi von ihrem Saturno, Jove, Marte, Venere, Luna, Sole, Item von ihrem Arsenico, Vitriolo, Antimonio, Marchasit und dergleichen Meldung gethan; So habens die gemeine Alchymisten auff all solche particularia gedeutet / und bald in diesem / bald in jenem / bald auch wohl in unterschiedlichen zugleich (welches das rechte Kennzeichen der gemeinen Alchymisten und falschen Discipel ist) laboriret: Da doch die Philosophi darunter einig und allein ihre universal-Materiam verstanden: Mancher sagt wohl / man könne das Philosophische Werck auß denen Mineralien und Metallen näher haben / weder auß den Elementen. Wofern man aber die Philosophos, wann sie von Metallen und Mineralien Meldung thun / nicht recht verstehet / was vor Metallen und Mineralien dieselbe meynen / so fehlet man im Anfang / und muß per consequens im Ende auch fehlen; ob man schon den best und deutlichsten Proceß hätte:

Mancher argumentirt gleichfalls wohl: Säet man Weitzen / so hat man Weitzen zu hoffen / Säet man Gersten / so hat man Gersten zu hoffen &c. Ergo: Säet man Gold / so hat man Gold zu hoffen &c. Wann er aber nicht weiß / was für Gold hierzu gehörig ist / so irret er so grob / als jene / die weder Anfang / Mittel / noch End des Wercks wissen und verstehen. Anderer Exempel umb Kürtze willen zu geschweigen. Welches alles und anders mehr ich nun in gegenwärtigem Tractätlein gründ- und treulich entdeckt und erklärt / anbey auch quoad operationem den Unterschied derselben in via sicca, und wiederumb in via humida, neben andern zu diesem Studio nöthigen Erinnerungen / sattsam bemercket / und demnach verhoffentlich das jenige an Tag gelegt / was vielleicht und meines Wissens vor mir wenig / auch in einem / oder andern Puncten keiner gethan.

Worvon mich zwar billich abhalten mögen / Erstlich die Philosophische bekannte Warnung: So dann und zum andern der Welt Falschheit / Haß / Neid / Mißgunst / Ungerechtig- und Gottlosigkeit. Insonderheit aber Drittens / daß ich wohl erachten kan / was ein oder anderer Spötter vor ein Urtheil hiervon fällen wird; Wie auch viertens die jenige / welche meine Arbeit an sich selbst sich gefallen lassen / gleichwohl darmit umb dieser Ursachen willen nicht zu frieden seyn werden / in deme ich die operationes nur generaliter, und nicht alle und jede Handgriff in specie vermeldet und angezeigt.

Alldieweilen ich mich aber (so viel das Erste und Andere anbelangt) erinnere / welcher gestalt der Mensch nach Gottes Ebenbild und Gleichnuß geschaffen / und daß solch Bild und Gleichnuß oberwehnter massen / in imitatione DEI bestehe. Dahero und gleich wie GOtt der Allerhöchste uns ohne Unterschied alles Gutes mittheilet; Also seynd wir wiederumb unserm Nächsten damit zu dienen / bevorab aber dardurch seines H. Nahmens Lob / Ehr und Preiß zu befördern und außzubreiten schuldig; Derowegen ich mich ebenmässig verbunden erachtet / GOTT meinem HERRN und Schöpffer dergestalt das jenige / was ich von Seiner Göttlichen Güte empfangen / wiederumb auffzuopffern / und die Hermetische Kunst und Warheit zu vertheidigen;

Zumahln dieselbe noch heutiges Tages von vielen (worzu die jenige / falsche Discipel / welche sich dieser Kunst vermessentlich rühmen / und doch nur mit lauter Betrug umbgehen / grosse Ursach geben; Deren / die umb Erhalt- und Beförderung ihres Nutzens und Gewinns willen / laugnen / daß eine universal-Medicin seyn und præparirt werden könne / anjetzo zu geschweigen) gelästert / und per consequens Gottes Ehre gemindert und geschmählert wird.

Gestaltsam ich auch zu Gemüth gezogen / das Seufftzen vieler redlichen Medicorum, welche zu desto besserer Beobachtung ihres Berufs / dieser Medicin gerne nachtrachten wolten / falls ihnen zu Erkantnuß der materiæ verholffen werden möchte: Ingleichem daß nicht allein vorerwehnter massen die Natur / sondern auch Gottes Gesetz / so wohln unser HERR und Heyland Christus selbsten / uns die Liebe des Nächsten (ausser dem Glauben) vor allen andern Tugenden / auch mit theuerer Verheissung der Vergeltung seines himmlischen Vatters anbefihlet: Quapropter etiam malo cum D. Dienheim, indignos aliquot, unà cum iis qui digni sunt, hac fœlicitate perfrui, quam dignos omnes unà cum indignis fraudari.

Dann was Drittens das widerige Urtheil eines und andern Spötters anbelangend / sollen dieselbe wissen / daß ich mich bey dem jenigen / was ich hierinn geschrieben / jederzeit finden zu lassen / und dasselbe zu defendiren getraue; wie ich auch sagen darff / daß mir von dem barmhertzigen GOtt (deme darfür abermahl inniglich Danck gesagt seye) die Warheit verliehen und anvertrauet ist; Derowegen ich mich gleicher gestalt nicht gescheuet / meinen Nahmen / wofern mich nicht hinwiederumb andere Ursachen davon abgehalten / zu spendiren / umb sothanen Spöttern zu erweisen / daß ihnen ihr endlicher Vorwurff / dessen sie sich bedienen / wann sie sonsten gäntzlich convincirt seynd / in dem sie sagen: Es habe sich noch keiner gefunden / der hierinn etwas außgerichtet / ebenmässig fehlet.

Wiewohl ich mich nur der Medicin / zumahln aber auch hierdurch mich nicht / sondern allein die mir von GOTT gegebene Gnad gerühmet: So dann und im übrigen das jenige / was ich oben im Ersten Capitel dieses zweyten Theils §. Alwo. vers. Ist nun. erwehnet / hiehero wiederholet haben will. Viertens aber die jenigen anbetreffend / welche mit deme / was ich ihnen hierinn communiciret / nicht content seyn möchten / weise ich dieselbe zu den Bienen / umb bey ihnen zu sehen / wie klüglich sie ihre Arbeit verbergen / daß keiner / auch durch allerhand gebrauchende inventiones selbige gnugsamb außforschen kan / worauß sie dann abzunehmen / was massen uns GOtt der HERR gleichsam durch die Natur selbsten verbeut / ein mehrers zu offenbahren / und mich also vor entschuldigt halten werden.

Sintemahln beschlossen ist / daß der Mensch im Schweiß seines Angesichts sein Brod essen soll / gestalten auch dem Faulen und Müssigganger diese Kunst so wenig / als dem Verächter zu theil werden wird. Zu deme so habe ich nicht allein vorerwehnter massen eine solche Theoriam, darauß eine gute Practic erfolgen mag: sondern auch Anfang / Mittel und Ende der Kunst beschrieben. Daß ich mich aber hierbey in etwas verwahrt / und nicht eine vollkommene Practic mit allen und jeden Handgriffen edire, wird mich verhoffentlich nochmahl niemand verdencken / angesehen ich sonsten aller Philosophorum Fluch auff mich geladen: Hätte ich dann dieselbe mit ihren dunckeln Schrifften und Sprüchen imitirt / so würde ich einen und andern dardurch / gleich wie sie / in Irrthumb verführt haben; Ohngeachtet / wann ich der Sache recht nachdencke / ich befinde / daß nicht ihnen den Philosophis, sondern denen jenigen selbst / die ihre Bücher nicht mit gutem Bedacht / und fleissigem Nachsinnen lesen / die Schuld hierinn beyzumessen.

Dahingegen / und im übrigen / wann je einer oder der andere / den Philosophischen Phœnicem, und das Subjectum artis Hermeticæ auß gegenwärtiger meiner Beschreib- und Unterweisung (ohnangesehen ich so deut- und treulich damit herauß gegangen / als immer geschehen mag) nicht kan erkennen lernen / noch auch denen rationibus, wordurch demonstrirt worden / daß auß dem Regenwasser ebenfalls eine universal-Medicin zu præpariren / statt geben / und was für herrliche arcana darinn zu finden glauben will / so wird er jedoch so viel darauß abnehmen / daß alle andere Materien / und bevorab die particularia zu diesem Werck nicht dienlich / und also derselbe vor vieler vergeblichen Zeitverliehrung und schwehren Unkosten / darein sich unzehlige / biß dahero gestecket / sich zu hüten wissen.

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