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THEOREMA VI.
Das Regenwasser ist ein sehr künstlich: dünn: zart: durchsichtig: süß / lieblich / geistlich / einfaches Ding: ein Element und Thron / so keinen sonderbahren Seegen und Befehl von GOtt dem Allmächtigen empfangen. Welches alle Farben / ingleichem die Anfäng der andern Elementen / also der Samen aller sichtigen Dinge / auch alle Kräffte und Tugenden / alle Thier und wachsende Ding zu nehren / sowohln auch alle Kranckheiten zu hailen; Und in Summa die Kräffte der gantzen Natur in sich: so dann seine Residenz in der Lufft / under der Feste des Himmels hat.
Ich spreche: Ein sehr künstlich Ding: Künstlich / ratione Causæ efficientis: Sintemahln es von dem Allerhöchsten / Allmächtig- und Allweisen HErrn / und Schöpffer aller Dinge / im Anfang der Schöpffung / mit und under dem grossen Hauffen des Gewässers erschaffen und bereitet worden: Künstlich ratione causæ formalis, necnon ratione originis: Dieweil es oberwehnter massen durch Gottes Wort / und auß nichts erschaffen worden. Alwo ich mich zugleich erinnere / was der Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät schreibet / nemblichen: Es sey zwar auff Menschliche Weyse recht geredt / daß das Wasser (und also die Welt) auß nichts geschaffen worden / aber auff über-menschliche Weise / könne auch gesagt werden / daß das Wasser gleichfalls ein Urhab oder Ursprung habe / gestalten ich demselben hierin abermahln suo modo Beyfall geben muß / wann ich betrachte / daß Christus der HErr in der Offenbahrung Joannis (cap.3.) selbsten spricht: Er sey der Anfang der Creaturen Gottes.
Welches dann sonderlich der Gelehrten Streit de principiis & principiatis, und anders dergleichen mehr / leichtlich erörtern könte / da sie nur der Warheit beypflichten wolten; Worvon jedoch auff dißmahl genug / und hingegen in meinem proposito fortzufahren; So ist das Regenwasser nochmahln ein künstlich Ding / ratione formæ & qualitatis. Anerwogen es einen Leib hat / und doch derselbe nicht / sondern allein der Glantz gesehen wird. Wie es dann auch Dünn / zart / durchsichtig. Inmassen der Augenschein selbst mit sich bringt / in deme man ja sonsten etlich Klaffter tieff hinein in das Wasser sehen kan.
Und über das ist das Regenwasser auch künstlich ratione essentiæ, weiln es: Ein süß / lieblichs Ding. Gestalten dessen Süß- und Liebligkeit / der Geschmack und Geruch sattsamb anzeigt / dann wann das Regenwasser sauer / oder gesaltzen / oder übelriechend / oder auch roth und vielfärbig herab kombt / solches zur Straff / Trau- und Warnung / oder einem Wunderzeichen von Gott dem Allmächtigen geschicht. Ein geistlich- und einfaches Ding. Daß dieses Subjectum geistlich seye / bezeugt abermahl die Erfahrung: Dann so man ein roh- undistillirtes Regenwasser in einem offenen Geschirr stehen lässet / wird selbiges gantz evaporiren / und hinweg gehen. Worbenebenst ich mich auch auff den unten bemelten Spiritum, so auß dem Regenwasser zu præpariren / will beruffen haben.
Ein Element und Thron / so keinen sonderbahren Seegen und Befehl von Gott dem Allmächtigen empfangen. Sintemahln und nach deme Gott der Allmächtige das Wasser unter der Feste an sondere Oerter sich zu samblen verordnet / hat Er demselben / und zwar am fünften Tage / diesen sonderbahren Seegen und Befehl gegeben / sich mit webenden und lebendigen Thieren / und mit Gevögel &c. zu erregen: Wie Er dann auch der Erde zuvorhero die Vegetabilia herfür zu bringen gleichmässigen Seegen und Befehl gegeben und ertheilt. Von dem Regenwasser aber sagt die Schrifft in Beschreibung der Schöpffung / oder vielmehr deren Vollendung (nim. Gen. cap.2. vers.2.) Dann Gott der HErr hatte noch nicht regnen lassen auff Erden. Welches also umb gewisser Ursach willen der definition eingeruckt worden / wie unten im andern Theil und dessen siebendem Capitel abzunehmen. Es wird gesagt:
Welches alle Farben &c. Alldieweilen und ob zwar das Regenwasser äusserlich gleichsamb weiß anzusehen / so hat es doch alle Farben in sich / wie mit diesem abermaligen schlechten Exempel zu beweisen / anerwogen / wann man ein Regenwasser viel und offt per Alembicum destillirt / und den Alembic nachmahls trucken werden läst / allerhand Farben / die man gleichsamb erdencken kan / in demselben erscheinen / massen es auch nicht weniger / und so gar an einem Glaß / das im Regen gelegen / und in der Sonnen wieder trucken worden / zu verspühren. Worbey ich mich erinnere / was Hollandus schreibet / daß die drey in der natürlichen Wärme ruhende Geister / nemblich der Geschmack / der Geruch / und die Farb / die Seele und das Leben / und die quinta essentia aller Dinge: Wie ich auch deßwegen oben gesagt / daß das Regenwasser künstlich ratione essentiæ; weiln es süß und lieblich sey.
Wormit ich jedoch die Philosophos Aristotelicos, welche meines wissens das contrarium zu statuiren pflegen / nicht zu offendiren / noch mich mit ihnen deßhalben in einen Streit einzulassen begehre / sondern ich will verhoffen / sie werden sich von selbsten erinnern / daß wann ihre gebrandte Wasser / in denen Apothecken / ein wenig veraltet / und den Geschmack / Geruch und Farb verlohren / ihnen davon nichts / weder ein Phlegma (welches nichts desto minder denen armen Patienten manchmahl noch für eine Artzney dienen soll) überbleibt. Gleichwie auch von einem Apffel / der durch die Fäulung den Geruch / Geschmack / und die Farb verlohren / nichts mehr / dann ein Excrementum übrig ist.
Wiewohl diese nicht allein / sondern auch die jenige / so Chymici seyn wollen / irren / in dem sie nemblich ein und ander Corpus mit grossem Gewalt des Feuers / oder aquis fortibus auffzuschliessen vermeynen; Wordurch sie dann ebenfalls an statt der Essenz, eines theils stinckende Excrementen / anders theils sonsten verderbte Artzneyen / oder krafftlose Hülsen bekommen. Aber wieder ad propositum zu schreiten; So heist es ferner: Deßgleichen die Anfäng der andern Elementen &c. Sintemahln auß dem Regenwasser nicht allein ein herrlicher allersubtilester Spiritus (welcher wann ein gantzer Löffel voll darvon in den Lufft gegossen wird / sich so balden verlieret / daß nicht einiger Tropffen mehr darvon zu spühren) sondern auch ein schönes spiritualisches Oel / und Saltz / mag bereitet werden.
Also der Samen aller sichtigen Dinge / auch alle Kräffte und Tugenden alle Thier und wachsende Ding zu nehren &c. Daß alle Dinge auß denen Elementen bestehen / ist ohnnöthig weiter zu demonstriren. Nun sagt aber der seel. Dr. Arndt: Ex quibus constamus, ex iisdem etiam nutrimur & conservamur. Atqui ex Elementis constamus. Ergò &c. So wird auch kein wahrer Philosophus laugnen oder widersprechen / daß durch die anatisirte Elementa und dieses summum temperamentum, alle Kranckheiten curirt und geheilet werden können / als von welcher anatisation unten im andern Theil ferner geredet werden wird. Unterdessen folgt alhier:
Und in Summa die Kräffte der gantzen Natur in sich &c. Gleichwie solches oben à priori und theoreticè probirt worden / auch unten im andern Theil ferner geschehen wird; Also ist es / so viel die animal- und vegetabilische Natur anbelangt / folgender massen ab affectu & à posteriori zu beweisen: Und bezeugt die Erfahrung / daß wann die Erde von dem Regen nicht befeuchtet wird / keine Saat / Kraut noch Graß wachsen kan; Gestaltsam nicht allein zu Zeiten Eliæ / sondern auch sonsten offt geschehen. Hingegen aber wissen wir gleichfalls / wie auch GOTT zu Hiob in seinem Buch am 38. Capitel sagt: Daß der Regen macht / daß Graß wächst: Das Graß gibt dem Ochsen das Fleisch / das Fleisch dem Menschen die Speiß / die Speise einen Chylum, der Chylus das Blut / das Blut den Samen; worauß wieder ein Mensch wird.
Welches jedoch einig und allein de potentia, keines wegs aber de actu & operatione zu verstehen: Inmassen die Heydnische Natur ein blosses Gedicht / und keine Natur ist / die etwas würcket. Sintemahln der Allerhöchste und allein weise Gott / alle Ding durch sein ewig selbständig Wort geschaffen; Derohalben auch alle Ding durch dasselbige verwaltet / regieret / geleitet / beweget und erhalten werden. Gestaltsamb Gott der HErr durch kein ander Mittel / als durch sein Wort (und zwar nicht durch die Dinge / sondern in denen Dingen) würcket: Wo bleibt nun die Heydnische Natur? Wie dann und damit ich alhier nicht ferner extra propositum schreite / unten im andern Theil davon mehrers gehandelt: Nicht weniger auch / und daß das Regenwasser die mineralische Natur ebenmässig in sich habe / dargethan werden / dahin sich unterdessen abermahl beruffen wird.
Letzlich so sage ich: Daß das Regenwasser seine Residenz in der Lufft / under der Feste des Himmels habe. Solches behauptet mehrangezogener Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät / wie es auch bevorab das Heydnische Wort Meteoron, sonderlich / wann man dessen Außlegung bey D. Bechmanno in seinem Systemate Physico, lesen und betrachten mag / selbsten mit sich bringt: So wird unten im andern Theil / von sothaner des Regenwassers Erhaltung in der Lufft / und unter der Feste des Himmels / weiter etwas geredt und gehandelt werden. Dahin ich mich gleichfalls Kürtze halben referire. Demnächst aber / und auff daß ich hierin gar nichts verhalte; so zeige ich hiemit ferner an: