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Part II — Chapter 10: Requirements for the Art

Das Zehende Capitel. Q. Was zu dieser Kunst hauptsächlich zu wissen nöthig sey und erfordert werde: Wie dasselbe zu erlangen / auch im übrigen ein Scrutator artis qualificirt und beschaffen seyn müsse?

R. Das erste Membrum dieser Quæstion anbelangend / wird darzu hauptsächlich erfordert; 1. Cognitio Naturæ. 2. Cognitio Materiæ. 3. Processus. 4. Vita Christiana. Sintemahln und gleich wie man sine cognitione Naturæ, ad cognitionem Materiæ nicht gelangen kan / also ist sine cognitione materiæ aller Proceß und Practic, Müh / und Arbeit / vergebens / und sine vitâ Christianâ, wird man kein glückliches End erreichen.

Dahingegen ex cognitione Naturæ, man ad cognitionem Materiæ leichtlich gelangen mag: und wann man cognitionem Naturæ & Materiæ hat / so findet sich auch leichtlich der Process, sonderlich und wofern man die labores der Natur gemeß anstellet; Da dann und weil man hierdurch in die gröste Geheimnussen der Natur eingeführt / nicht allein die Erkäntnuß der Allmacht / Allweißheit / und Barmhertzigkeit Gottes / und dahero wiederum der Glaube und das Vertrauen zu seiner Göttlichen Barmhertzigkeit / vermehrt (massen ein solches durch keine Wissenschafft mehrers als durch diese geschehen kan) sondern auch man einfolglich zur Danckbarkeit gegen dieselbe / und einem Christlichen Leben auffgemuntert wird.

Welches alles aber fürs zweyte zu erarnen / ebenmässig vonnöthen ist / daß man sich übe und anhalte: Prece, lectione, meditatione, & labore: Ich sage prece: In Erwegung alle gute und vollkommene Gaben (insonderheit aber Weißheit / die aller Kunst Meister ist / Sap. c. 7.) von oben herab / von dem Vatter deß Lichts kommen; Wie auch in specie von dieser Wissenschafft Dionys. Zacchar. schreibet: Nostra scientia est tam divina, ut semper fuerit & sit adhuc impossibile hanc innotescere hominibus, quocunque studio vel industriâ quâvis, etsi omnium sapientissimi sint, atque doctissimi Philosophi, nisi primum à Deo sit inspirata &c.

Und wiewohl lectio & meditatio gleichfalls keines wegs hindan zu setzen / auch man sodann / wann man durch dieses Mittel eine gute Theoriam und cognitionem Materiæ acquirirt, kühnlich ad reliqua schreiten / und den laborem vor die Hand nehmen mag / als wordurch der Verstand der Philosophischen dunckelen Sprüche desto besser zu erreichen / und zu würcklicher Erkäntnuß der Natur zu gelangen: Zu deme sonder die Hand-Arbeit das Werck nimmer zu verfertigen; So ist doch abermahl Gott zuvorderst umb sein Gedeyen inständig anzuflehen / und zu bitten / damit unser lesen / meditiren / und Arbeit nicht vergeblich sey / sondern man seinen Zweck erreichen möge.

Weßwegen / und was das dritte membrum anreichet / der jenige / so vielerwehnter Kunst nachtrachtet (neben einem subtilen Ingenio, secund. sæped. Fil. Sendivog.) auch ein gedultig und standhafftig Gemüth haben solle / auff daß er sich nicht durch ein- und andre Sophisterey und Betrug / oder ander Geschwätz (es ist dieser oder jener 30. 40. ein anderer 50. Jahr damit umbgegangen / und hat viel daran gewendet / und nichts außgerichtet &c.) irri machen: oder auch auß Verdruß das Werck ligen lasse / und sein Vorhaben unzeitig quittire.

Welches sonderlich / wie ichs meines Orts beobachtet / von den jenigen geschiehet / und bey denen statt findet / die ohne einige zuvorhero beygelegte Theoria und geschöpffte gute fundamenta, allein auff zu Hand bringung ein- oder andern Process, stracks zum Werck schreiten / und den Process zu elaboriren sich understehen / da sie dann mehrmals / ob sie schon die rechte Materiam haben / gleichwohln / wann das Werck nicht ihrer Meynung nach succediren will / in Zweiffelhafftigkeit gerathen / dasselbe bald auff diese / bald auff jene Weiß anders anfangen / und endlich / wann sie nichts außrichten können / selbiges gäntzlich ligen lassen / ja auch noch wohl in solche Wort außbrechen / und die Kunst für unwarhafftig außruffen dörffen.

Ob aber diese bey GOtt mehr Verantwortung haben werden / oder jenige / welche offtgedachte Kunst vor Teuffels-Werck halten / oder dieselbe / als thäte sie auß sein des Teuffels Eingeben herrühren / außschreyen / das stehet dahin.

Von welchen und andern Calumniatorn noch mehrers zu reden / insonderheit aber dem sonst berühmten Historico Zeillero, der den Theophrastum in specie dißfalls nicht wenig angreiffet / zu begegnen wäre. Dieweil aber das zu Saltzburg ihme Theophrasto zu Ehren auffgerichtete Epitaphium ein anders zu erkennen gibt / als darinn under andern folgende formalien enthalten: Conditur hic Philippus Theophrastus insignis Medicinæ Doctor, qui dira illa vulnera Lepram, Podagram, Hydropysin, aliaque insanabilia corporis contagia mirifica arte sustulit &c. Deßgleichen offterwehnter berühmte Theologus Johann Arnd selbst / Ihne den vortrefflichen Teutschen Philosophum nennet: So lasse ichs auff dißmahl hiebey bewenden.

Danebenst muß ich jedoch dieses ebenfalls von mehrerwehntem Theophrasto rühmen / daß ich quoad secundam operationem, deßgleichen und bevorab was die multiplication anbelangt / gute Erläuterung bey demselben gefunden. Massen ich auch im übrigen auß seinen Schrifften so viel ersehen / daß er GOTT den HErrn für seinen Schöpffer (dem er auch nicht weniger seiner Kunst halben die Ehre gegeben) und nächst Erinnerung des Falls Adams und Evæ / und per consequens seiner sündlichen Geburt / JEsum Christum für der Welt Heyland erkennet / die Aufferstehung der Todten und ein jüngstes Gericht geglaubet / und des ewigen Lebens getröstet; Wie Er dann solchen seinen Glauben mit der Liebe gegen dem Nächsten nicht allein auff obgedachte Weiß / sondern auch mit Außtheilung seiner Güter under die Armen treulich bewiesen und vorgedachtes sein Epitaphium abermahl mit folgenden Worten bezeuget: Ac bona sua in pauperes distribuenda, collocandaque honoravit &c.

Ich bin des Theophrasti discipul nicht / gestalten ich auch dessen Schrifften / ausserhalb der jenigen Puncten / davon alhier Anregung geschicht / wenig gelesen / gleichwohl habe ich zu Beobachtung meines Zwecks das jenige / was ich bey ihme auß angeregten seinen Schriften geschöpffet / alhier zu vermelden nicht underlassen wollen; Gleich wie ich auch zu ebenmässigem Ende / so wohl zu Bezeugung / daß ich dem Theophrasto in seinen Irrthumben nicht beyzustehen begehre / nachfolgendes Capitel anhero setzen thue.

Jedoch zuvorderst wieder ad propositum zu kommen / und gegenwärtiger quæstion und deren letzten membro vollend abzuhelffen / so berichte ich ferner / daß der jenige / so dieser Kunst nachtrachtet / mit andern Geschäfften nicht beladen / auch bey guten Mitteln seyn / und damit sparsam umbgehen muß / auff daß er vors Erste durch frembde Gedancken an seinen Meditationibus nicht gehindert / noch durch andere Geschäffte dem Werck obzuligen / abgehalten / oder aber auß Mangel der darzu benöthigten Unkosten / darvon unzeitig abzulassen / verursacht werde. Darumb auch Geber. test. Lucernâ Salis Philosophorum erinnert: Expedit etiam, inquit, ut suam pecuniam custodiat (Artifex) nec eam præsumptuosus vane distribuat, ne forte si jam propinquus fuerit veritati, non habeat ulterius unde laboret.

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