Tap the page, move to the top or bottom edge, swipe down, or press Tab to reveal reading controls. Use the arrow keys or swipe sideways to turn pages.

← ExitCandida Phoenix Philosophica
Part II — Chapter 6: Rainwater as a Subject

So viel aber die andere Objection anbetrifft / gleich wie oben demonstrirt / daß das Wasser am ersten / und das Regenwasser under sothaner erstlich erschaffenen grossen Massa des Gewässers / mit erschaffen / auch nachmahls an sich selbst nicht verändert worden / und man demnach die materiam remotam hieran gnugsam haben: Also kan man auß demselben hinwiederumb die vermeinte materiam propinquam auch leichtlich zuwegen bringen: Dann wann man ein Regenwasser seine Zeitlang putreficiren lässt / thut solches einen Schleim und Erden nidersetzen.

Gestalten und im fall man ferner damit superflua removendo, auch sonsten philosophicè, dem oben nicht nur im Ersten / sondern auch in diesem andern Theil / und bevorab dessen zweyten Capitel gegebenem Bericht nach / procediren / man ausser Zweiffel durch Gottes Hülff (in gleichmässiger Betrachtung / daß es eine Erde / so über unsern Häuptern geschwebt) zu einem glücklichen End gelangen wird.

Zu deme Bernhardus an einem Ort selbst schreibet: Wann wir sagen / wir nehmen zu unserm Werck alle Ding / so verstehen wir die Elementa. Darumb obige seine Meynung dem Buchstaben nach nicht zu verstehen ist.

Den dritten Einwurff anreichend / ist erstlich zu wissen / daß die Erde und das Wasser / wie oben im ersten Capitel auch etlicher massen angeregt / die animal- und vegetabilische Natur potentiâ tantum habe (welches eben das tohu va bohu, davon die Gelehrten annoch so viel zu disputiren pflegen / oder welches dieselbe offtmahls so ungleich außlegen).

Inmassen weder eines noch das andere in der Schöpffung einig vegetabile oder animale herfür gebracht / biß GOtt der HErr gesprochen: Es lasse die Erde auffgehen Graß und Kraut / das sich besame / und fruchtbare Bäume / da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage / und habe seinen eigenen Samen bey ihm selbst auff Erden. Item: Es errege sich das Wasser mit webend- und lebendigen Thieren / und mit Gevögel / das auff Erden / under der Feste des Himmels fliege &c. Ferner: Es bringe die Erde herfür lebendige Thiere ein jedes nach seiner Art &c.

Wordurch dann GOtt der HErr dem Wasser und der Erden den Seegen / und Befehl / und das τὸ operari, diese Creaturen herfür zu bringen / denenselben auch zugleich ein particular Leben / nicht weniger ein gewisses Gesetz und Ordnung der Natur gegeben und eingepflantzt / also und dergestalt / daß allsolche von der Erden und dem Wasser damahls durch Gottes Wort und Befehl alsobalden in ihrer Vollkommenheit erregt- und herfür gebrachte Creaturen / sich fürohin durch deren eigenen Saamen vermehren und fortpflantzen sollen.

Derohalben / und ob schon wir Menschen / auß den Elementen / und weder auß dem Wasser noch der Erden / dergleichen nicht schaffen / noch durch die Kunst zu wegen bringen / angesehen wir die Natur / und des Allerhöchsten heilige Ordnung keines wegs ändern / noch denen Elementen ein solch agens und operari, wie GOtt der Allmächtige / geben und einsprechen / so wenig / als wir dieselbe auß nichts erschaffen können.

So folget jedoch (pro secundò) gar nicht / wir können / jetzt- und vorangeregter massen / auß den Elementen / und weder auß dem Wasser noch der Erden / kein Graß / oder Kraut / oder animale zu wegen bringen &c. Ergò, so können wir auch darauß keine Tincturam præpariren / noch hiermit die unvollkommene Metalla in perfect Gold tingiren &c.

Sintemahln (pro tertio) ein anders ist creiren / und erschaffen / oder die Natur und Gottes Ordnung zu ändern sich understehen; wie die unweisen und thörichten gemeine Alchymisten und Laboranten thun. Ein anders ist præpariren / und tingiren und der Natur gemäß verfahren.

Gestaltsam / und weil wir (pro quarto) in der gantzen H. Schrifft nicht lesen / daß unser HErr GOtt die mineralia auch durch ein sonderbar- in der Schöpffung außgesprochenes Wort erschaffen / noch ihnen ein solch particular Leben / und einen eigenen Saamen / wie den animalien und vegetabilien gegeben und eingepflantzt / (darumb de Nuysement recht sagt: Mineralia nec sensitivam, nec vegetativam facultatem obtinent, sed vitâ tantum vivunt essentiali) hingegen die Erfahrung bezeugt / daß dieselbe gleichwohl durch Gottes Fürsehung in der Erden generirt / und zu des Menschen Notturfft darauß gebracht werden; So ist hierab zu schliessen / daß das Wasser und die Elementa die mineralische Natur durch Gottes Universal-Wort nicht allein potentiâ, sondern auch actu haben.

Inmassen und daß sie / wie ebenfalls obgedacht / gleich ersten Anfangs / ohne einigen eigenen Saamen darauß entspringen / nicht allein obberührter Dr. Dienheim / mit diesen Worten confirmiret / wann er schreibet: Metalla ex Elementis primâ instantiâ absque ullo semine, seu materiâ proximâ generantur. Sondern auch vorerwehntes letztere Exempel von dem Silber-Bergwerck und dessen zweyten Saigerung / nicht weniger das jenige / von dem Schmaragd / so wohln ein anders von einem auß eben dem Wasser / darauß der Schmaragd gemacht worden / herkommenen grano Solis, davon unden in folgendem Capitel ebenmässig Erzehlung geschehen wird / beweiset.

Dahero und weiln die Philosophi solche und zwar / wie abermahl obberührt / aller und jeder Metallen auß dem Wasser und den Elementen bestehende Entspringung: Ingleichem erforschet / daß selbige allein perfectione & imperfectione differiren / demnechst auch wahrgenommen / daß sonderlich das Gold in der Erden gar langsam zu seiner Zeitigung gelangt; Als seynd dieselbe dahin bedacht gewesen / auff daß sie es durch die Kunst befördren möchten.

Gestalten mehrbedeute Philosophi durch fleiß- und embsig Nachsinnen / einen und den andern Weg erfunden / wordurch sie die Goldwesenheit auff höchste Zeitigung gebracht / oder (secundum ipsum Bernhardum) die Elementa (oder das Wasser) anatisiret. Mit welchem ihrem so genannten Lapide, sie nachmahls alle imperfecte Metalla, in pur Gold tingirt / und uff sothane Weiß in einer Stund verrichtet haben / was sonsten die Natur in viel hundert Jahren in der Erden nicht effectuiren können.

Und dieses ist also die / von den Weisen jederzeit so hoch / und doch niemals gnugsam gerühmte / von den Unweisen aber uffs äusserste veracht- und verlachte Hermetische Kunst: Dieses ist das Hermetische / der Natur gemäße / und nicht (ut aliqui somniant) übernatürliche Goldmachen.

Contents

Sign in to save your reading →