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Part II — Chapter 6: Rainwater as a Subject

Das Sechste Capitel. Worauß die Metallen / und Edelgesteine in der Erden entspringen. Worbenebenst zugleich die Warheit der Hermetischen Kunst durch sattsame und unwidertreibliche / eines theils von andern Philosophis (meines wissens) noch niemahlen beygebrachte fundamenta erwiesen wird.

Nachdem ich in obigem andern Capitel occasione der Beschreibung der dreyen Philosophischen Principien etwas de practicâ & quidem de viâ humidâ (ut vocant) gemeldet: So habe ich in beeden vorhergehenden / als im Viert- und Fünfften Capiteln / vermittelst Beschreibung der generation der Metallen / und Edelgesteine / auch eines und anders de operatione nostri Subjecti in viâ siccâ addiren wollen; Wie ich dann deßwegen selbige gegenwärtigem Sechsten Capitel vorgesetzt / da sie sonsten vielleicht in der Ordnung demselben nachfolgen sollen.

Zur Sache selbsten nun zu schreiten / wiewohl under andern in gedachten beeden vorhergehenden Capiteln gnugsam angezeigt worden / worauß die Metalla und Edelgestein entspringen. Sintemahln aber solches einem Philosopho eigentlich zu wissen sehr nöthig: Als habe ichs alhie zu wiederholen und zu erläutern nicht umbgehen mögen.

Und zwar ist oben ebenmässig der Länge nach dargethan / welcher gestalt alle sichtige Dinge auß dem Wasser geschaffen und entsprungen: Derohalben abermahl folgt / daß auch die Metalla darauß geschaffen und entsprungen seyen; wie sie auch noch darauß geschaffen werden und entspringen / und es kein wahrer Philosophus widersprechen wird.

Deme keinen Abbruch thut / daß abermahl oben gesagt worden / was massen die Metalla auß den Elementen entspringen: So dann auch die Philosophi lehren / daß dieselbe ex Sale, Sulphure & Mercurio bestehen / angesehen / in vorerwehntem Andern Capitel gleichfalls demonstrirt worden / daß erstgemelte principia nichts anders als die Elementa, und wiederumb diese nichts anders / als ein Wasser seyen.

Ein solches auch ferner zu bewähren / und zumahl in meinem Vorhaben der Beschreibung der Geheimnuß des Regenwassers (ingleichem auch durch dieselbe des Subjecti artis Hermeticæ) fortzufahren / ists nunmehr an deme / daß wie ich oben à priori des Regenwassers in sich habende Kräffte der gantzen Natur / so wohl auch à posteriori die in sich habende animal- und vegetabilische Natur erwiesen; Also anjetzo meinem Versprechen nach / daß es die mineralische Natur ebenmässig in sich habe / gleicher gestalt darthue.

Da ich dann mit Warheit bezeugen kan / was massen ich den / im Ersten Theil gemelten / und von vorbesagtem Chymico M. M. mir communicirten Spiritum, in einen warmgemachten silbernen Löffel gegossen / und derselbe davon gantz goldgelblecht gefärbt worden.

Deßgleichen hat mir eine vornehme Stands-Person gantz glaubhafft erzehlt / daß mit einem auß dem Regenwasser præparirten Oel geringer Metall (als nemlich Silber) in pur Gold tingirt worden. Der in vorhergehendem Capitel erwehnten Chrystallen (welche ich dann mehr für die Goldwesenheit / als für Topasen gehalten) und daß mehrberührter M. M. auch einen Spiritum auß dem Regenwasser bereitet / der ihme das Blätleins-Gold in der Hand solvirt hat / zu geschweigen.

Hingegen aber noch eines zugedencken / was gestalt nemlichen ein Liebhaber der Chymiæ und anderer Wissenschafften / mich berichtet / wie daß an einem gewissen Ort ein Silber-Bergwerck seye / da sich begeben / daß als man auff eine Zeit darinn gearbeitet / und mit der Saigerung dem Gebrauch nach verfahren / folgends den Unberg oder Abgang under den freyen Himmel geschüttet / und derselbe wegen des damahligen Kriegswesens wol 20. Jahr also im Regen ligend gelassen / nachmahls aber wieder gesaigert worden / habe man mehr und besser Silber / weder zuvor darinn gefunden. Welches / daß es von dem Regenwasser herkommen / ausser Zweiffel ist: Sintemahln das Wasser / und nicht die Erde (sagt der seel. Arnd) die Wurtzel der Metallen hat.

Allermassen mich ein solches nicht allein in obiger meiner Meynung von Gebahrung der Metallen / daß nach deme das Wasser einen Ort in der Erden antreffe / nach deme auch ein Mucilago oder Mercurius darauß werde / bestättigen / sondern auch mir Anlaß geben thut / mich nochmahln uff den Hortulanum zu beruffen / wann er spricht: Unser Stein wird darum der vollkommene geheissen / weil er in sich hat / die animal-vegetabil- und mineralische Natur. Dahero ich folgender gestalt argumentire:

Was die animal-vegetabil- und mineralische Natur in sich hat / das ist ein vollkommenes Subjectum.

Das Regenwasser hat die animal-vegetabil- und mineralische Natur in sich.

Ergò, so ists ein vollkommenes Subjectum.

Der Major ist auß sothanem Spruch Hortulani selbsten / wie auch der Minor auß bißheriger deduction überflüssig probirt.

Worauß ferner folgt / daß / weiln das Regenwasser ein vollkommenes Subjectum, und nicht allein die animal- und vegetabilische / sondern auch die mineralische Natur in sich hat / daß darauß so wohl eine Tinctur zu Verbesserung der Metallen / als eine universal-Medicin zu præpariren sey.

Dann nichts irret / daß (1.) angeregte projection nur particular gewesen / und allein Silber in Gold mit gedachtem Oel tingirt worden.

Wie auch (2.) eben so wenig hindert / was mir von einigen dieser Wissenschafft Beflissenen selbst / auß dem Bernhardo opponirt worden / nemlich / daß man die materiam remotam nicht haben / sonsten man auch Thiere / Bäume / Kräuter / und anders würde schaffen können &c.

Derowegen / und weil (wie auch sonsten 3. die Sophisten sprechen) die Philosophi ja so gar nicht eine (s. h.) Mucken / oder das geringste Kräutlein zu schaffen vermöchten; Ergò, so könten sie noch weniger Gold schaffen / oder machen &c.

Ingleichem und (4.) empechirt nichts / was mir auch von einem andern guten Freund / juxta canonem, quælibet causa nobilior effectu &c. vorgeworffen worden: Sintemahln das Gold gleichsam das edelste Ding sey / als könte dasselbe auß dem Wasser nicht entspringen / noch gemacht werden &c. Der jedoch hingegen wehnen wollen / daß es wegen dessen schwere vielmehr auß der Erden (weder auß dem Wasser) herkomme.

Solches alles / sage ich / irret ebenfalls gar nicht / in Erwegung / so viel den ersten Einwurff anbelangt / Sendivogius außtrücklich sagt: Sciant pro certo Hermetis Filii, quod qui viâ Philosophicâ hoc sine fraude & fuco præstare possit, ut vel minimum metallum sive cum lucro, sive sine lucro, realiter colore Solis, vel Lunæ (in omnibus examinibus requisitis permanente) tingat, illum habere fores Naturæ apertas, ad ulteriora & altiora arcana investiganda, & cum Dei benedictione acquirenda.

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