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Das Fünffte Capitel. Wie die Edelgestein in der Erden und den Bergwercken generirt werden.
Alldieweil die Edelgesteine gleichfalls herrliche Wunderwercke und Edele Geschöpffe Gottes des Allerhöchsten seynd; Wie auch deren nicht weniger / als der Metallen / in H. Schrifft gedacht wird / und GOtt der HErr dem Moysi / dieselbe zu der herrlichen Priesterlichen Zierd / benanntlich dem Ambt-Schildlein / darinn das URIM und THUMIM gewesen / und zwar zwölff underschiedliche / da in jeden ein Nahme der Kinder Israel nach ihren Stämmen gegraben / zu nehmen: Deßgleichen zween Onicher-Stein / in Gold fassen / und in jeden sechs Nahmen der Kinder Israel graben / und solche dem Hohen Priester auff die Schulter des Leib-Rocks hefften zu lassen / befohlen hat:
Als ist derohalben / so wohl auch und bevorab zu fernerer Beschreibung der operation unsers Subjecti nicht ungereimt / von denenselben und deren Ursprung und generation alhier ebenmäßig etwas wenigs Meldung zu thun.
Den Ursprung aber anbelangend / seynd die Philosophi wiederumb gantz einig / und wird auch in folgendem Capitel wiederholet werden / was massen selbige auß eben der Materia, wie die Metalla und Mineralia entspringen. Gestalten durch das rothe und weisse vollkommene Philosophische Elixir, die geringe / als Böhmische Diamanten / Chrystallen / Item Granaten und dergleichen / ebenfalls in vollkommen- und bessere / als Orientalische Edelgestein verwandelt: nicht weniger auch die zerbrochene und kleine Edelgestein consolidirt, und ergrössert werden können; Wie under andern in der Lucerna Salis Philosophorum, davon zu lesen.
Allwo diese Kunst dem H. Joanni Evangelistæ vermittelst Anführung nachfolgender / Ihme in der Alten Kirchen zu Ehren gesungener / und in einem sonderbaren Hymno begriffener Verse / gleicher gestalt zugeschrieben wird.
Qui gemmarum partes fractas Solidasset has distractas Tribuit pauperibus. Inexhaustum fert Thesaurum Qui de virgis fecit aurum, Gemmas de lapidibus.
Die generation der Edelgestein aber anbetreffend / dieweiln deren Beschreibung so wohl / als jenige der Metallen periculos, achte ich dißfalls und zu vorerwehntem Ende / nemblich zu fernerer Beschreibung der operation unsers Subjecti, gnugsam gesagt seye / in deme ich hiermit anzeige / daß gleich wie die Erhärtung der Metallen nach allgemächlich- beschehener coagulation durch continuirliche Würckung / der / in den Mineris verborgenen Wärme; Also die congelation der Edelgestein auß der Mercurialischen Feuchtigkeit / nach derselben vorherigen condensation und sublimation (die in dem ungefärbten viel leichter / als in dem gefärbten geschicht / massen keine Fettigkeit / oder Schwefel ohne Gewalt auffsteigt) durch die Kälte erfolge. Welches ich nicht allein abermahl mit meiner eigenen Erfahrung / sondern auch nachfolgenden Exempeln bewähren kan:
Dann mir ein Fürstl. Hoff-Medicus erzehlt / wie daß Dr. Bier zu Amsterdam ein sonderbar Wasser wisse / und von einem gewissen Ort herbringe / so eines annehmlichen Geschmacks / an der Farb / wie ein Serum lactis, wann es aber in Wein gegossen werde / färbe es denselben (oder vielmehr zu sagen / färbe sichs mit demselben) Purpurfarb. Dieses Wasser habe besagter Dr. Bier in seinen Ofen eingesetzt / und nach geraumer Zeit / weil er zumahl gesehen / daß es sich zimlich inspissirt gehabt / wieder herauß genommen / da er denn nach dessen Erkaltung / eine solidissimam & pellucidam subviridem massam gefunden;
worvon er mit grosser Mühe und Gewalt etliche Stücker geschlagen / die grössern schleiffen / und ein- und ander Wappen darein stechen lassen / auch eines von den kleinern ihme Medico verehrt. Welches er ebenmäßig schneiden / und in einen güldenen Ring fassen / und under andern einen Jubilier von Nürnberg sehen lassen / der solches Steinlein für einen fahlen / jedoch sonst guten Schmaragd erkannt.
So hat mir M. M. C. M. gewesener anjetzo H. F. R. u. W. Chymicus, vorhin in anno 1667. etliche auß dem Regenwasser herkommene / und in der Kälte angeschossene Chrystallen geschickt / welche ein erfahrner Steinschneider gleichfalls vor gute Stein / und Topasen judicirt.
Worauff ich zugleich und in Betrachtung des M. mir etlicher massen bekannten Proceß / so wohl mehrangeregten meiner eigenen Erfahrung / dieses schliesse / daß nach deme die Mercurialische Feuchtigkeit in der Erden einen Schwefel antrifft / selbige auch folgends eine eigendlich- und sonderbare Form und Farb an sich nehme / und bekomme. Gestalten dann solche Annehm- und Veränderung der Form und Farb besagter Feuchtigkeit / oder Wassers / sonder bequeme Mittel und Beyhülff / unangesehen dasselbe an und für sich selbst alle Farben hat / nicht geschehen kan / wie an dem Chrystall / ingleichem dem Diamant abzunehmen / die auß Mangel der Beyhülff / und eines äusserlichen sonderbahren Schwefels / die Farb des Wassers allerdings behalten.
Daß aber das Bireische Wasser mit dem Wein / darein es gegossen / Purpurfarb worden / ist / meines Erachtens / daher geschehen / weiln des Weins innerliche wesentliche Farb roth ist / und mehrgedachtes Bireische Wasser (wie der darauß gemachte Smaragd bezeuget) sich bereits auff die grünlechte Farb innerlich specificirt, und dieselbe eigentlich an sich genommen gehabt: Dann wann zwo underschiedliche Farben under einander gemischt werden / so wird deren keine bleiben / sondern die dritte herauß kommen. Wiewohln auß grün auch an sich selbst eine schöne rothe Farb kombt; Inmassen an dem Vitriol zu sehen ist. Unde: auß dem Blut des grünen Löwen / muß gemacht werden / das Blut des rothen Löwen.
Sonsten ist obgedachter Basilius Valentinus in hoc puncto von generation der Edelgestein / auch nicht über zu lesen. Worbey ichs auff dißmahl alhie gleichfalls bewenden lasse.