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Das Vierte Capitel. Von Gebährung der Metallen / und wie dieselben in der Erden generirt werden.
Oben zu End des Ersten Theils / ist gemeldet worden / welcher gestalt finis principalis dieses Studii seyn solle / die Wunderwercke Gottes zu betrachten &c. Wann nun die Metallen under andern Wunderwercken und Edlen Geschöpffen Gottes nicht die geringste seynd: Massen derselben in H. Schrifft an underschiedlichen Orten / und insonderheit des Golds gleich zu Anfang der H. Bibel gedacht wird; Wie ingleichem GOtt der HErr dem Moysi außtrücklich befohlen / dasselbe zu Zierung seiner Wohnung und Tabernaculs, so wohln zu Verfertigung der herrlichen Priesterlichen Kleider zu nehmen / und zu gebrauchen / auch so gar in das gleichfalls von feinem Golde zu machen anbefohlene Stirnblatt / seine Heiligkeit graben zu lassen.
Und zumahln die Philosophi die Wissenschafft von Gebährung der Metallen zu Begreiff- und Erlernung der Hermetischen Kunst / sehr nöthig achten: Als habe ich von solcher Gebährung alhier auch etwas handlen / und wie ich im vorhergehendem Capitel von der Operation unsers Subjecti einige Anregung gethan / also darinn noch etwas weiter fortfahren wollen: Ohngeachtet sonsten von angeregter Wissenschafft an sich selbst zu schreiben fast gefährlich ist / wie ich auch dieselbe nur pro scientiâ conjecturali halte: Dann wir wissen zwar / daß die Metalla in der Erden generirt werden; Allein wie sothane generation eigentlich zugehe / hat meines ermessens noch keiner gründlich erforschet. Gestalten der berühmte Bergmeister Lazarus Erkard hierinn auch das stillschweigen halten muß. Der Philosophorum vulgarium dissension mit ebenmäßigem stillschweigen zu übergehen.
So viel aber unsere Philosophos anbelangt / ob sie schon durch observation der operation unsers Subjecti der Sache etwas näher getretten seyn mögen / stimmen sie jedoch auch nicht aller dings mit einander überein / sondern und wie ich gleichfalls erachte / nach dem einer eines Proceß in Verfertigung seines Wercks sich bedienet / solchem nach hat er auch davon sentirt und geschrieben. Inmassen nicht nur einer / sondern underschiedliche Wege seynd / das Philosophische Magisterium zu verfertigen.
Und daß die Philosophi melden / ob wäre nur ein einiger Weg hierzu zu gelangen / solches ist von dem End und nicht dem Anfang zu verstehen / und daß sie alle endlich zu einem Zweck gelangt seynd / ob schon einer diesen / der andere einen andern Weg / im Anfang gebraucht hat.
Sonderlich aber haben meines nochmahligen Bedunckens die jenige / welche dem Bernhardo nach- oder gleich gearbeitet / auß denen in sothanem Proceß sich begebenden Veränderungen / der Farben und Gestalten unsers Subjecti, auch die Veränderung der Metallen conjecturirt: Ja gantz darvor gehalten / daß der Mercurius erstlich zu Bley / nachmals zu Zinn / ferner zu Silber / dann zu Kupffer / und wiederumb zu Eisen / und letzlich zu Gold werde.
Hingegen andere / welche auß einem andern und / wie ich zwar ebenfalls muthmaßlich darvor halten will / des Artephii Process und Practic ihre observanz genommen / beschreiben die generation der Metallen ohngefahrlich folgender gestalt / nemblichen / daß der so genannte Vapor Naturæ, (welcher auff Bergmännisch die Einwitterung oder Bergschwaden mag benennet werden) wann er auß dem centro der Erden sublimirt werde / so durchgehe er entweder truckene oder warme Ort / und im durchgehen der reinen und warmen Ort / wo eine schwefeliche Feuchtigkeit an denen Steinfelsen klebe / begreiffe er dieselbe / und führe sie mit sich; da er dann zu einer Schmierigkeit werde / wie er auch den Nahmen des Dunsts verlasse / und den Nahmen der Feistigkeit an sich nehme /
welche Feistigkeit (die sonsten Bergmännisch ein Metallferch möchte zu nennen seyn) wann sie in fernerem auffsteigen andere von dem vorhergehenden Vapore gereinigte Ort / und daselbst eine reine subtile feuchte Erde antreffe / erfülle sie deren poros, verbinde sich gleichfalls mit derselben / und werde Gold darauß. Wofern aber mehrangeregte Feistigkeit an andere unreine und kalte Ort gelange / so werde Bley darauß: sey dann die Erde rein und mit Schwefel vermengt / so werde Kupffer darauß &c.
Der Author fundamentorum verorum Chymicorum, beschreibt den Ursprung der Metallen also / daß nemblichen dieselbe von dem Mercurialischen Dampff in der Erden herrühre / welcher durch Krafft des Feuers in den Bergen / zu einem dicklechten Wasser gekocht: worauff er alsdann nach Beschaffenheit des in sich gezogenen reinen oder unreinen Schwefels zu diesem / oder jenem Metall absonderlich geordnet werde &c.
Der Author des Tractats de Metamorphosi Metallor. describirt die Gebährung der Metallen wiederumb anders / und insonderheit / kurtz darvon zu reden / will er die Beyfügung der schwefelichen Fettigkeit dem Mercurio, nicht zugeben / mit vermelden / daß der Mercurius an sich selbst ein / von den himmlischen Einflüssen digerirende Krafft und Würckung in sich habe / wie bey demselben mit mehrerm mag gelesen werden.
An meinem wenigen Ort / statuir ich vors Erste mit allen Philosophis, daß die Metalla alle einen Ursprung haben / und auß einer Materia entspringen: Massen dieselbe oben bereits angezeigt / auch unden ferner und deutlicher benennet werden wird. Wie und auff was Weise aber deren generation in dem Bergwerck geschehe / das hat / sage ich nochmahln / biß dato keiner gründlich erforschen mögen. Und sonderlich was die erste Meynung / und die Veränderung der Metallen anbelangt / kan ich derselben am wenigsten beypflichten;
Angesehen / und ob ich wohl / als ich vor diesem dem Artephio nachgearbeitet / und in deme mir einmahl durch unvorsichtige Regierung des Feuers (gestalten das Regimen Ignis, und das Gewicht / die zween vornembste Puncten / welche circa practicam zu observiren seynd) ein oder mehr Gläser zersprungen / in denen überbliebenen Stücken selbst / so wohl schwartze / als weißlechte / wie auch gelbe / und andere flores gefunden / so bewegt michs jedoch keines wegs / mehrgedachte Veränderung der Metallen zu statuiren / oder solcher Meynung beyzufallen.
Massen ich auch darvor halte / daß die Philosophi durch diese und andere Gleichnussen nichts anders / als die operation unsers Subjecti beschreiben wollen / wie unden nicht weniger und mit mehrem zu vernehmen seyn wird: Sintemahln unlaugbar / daß eine jede Natur sich fort und fort zu veredlen sucht. Dahero beedes der Natur und Vernunfft zu wider / daß das Silber / so nechst dem Golde das reinest und edelst Ertz ist / erst wieder zu Kupffer / und dann auch zu Eisen werden sol. Zu geschweigen / daß ein anders unsere Kunst / ein anders die generation der Metallen in den Bergwercken ist; Ohngeachtet die generir- und Gebährung der Metallen / auß bedeuter operation unsers Subjecti, mehrers / weder sonsten einigem Ding conjecturirt werden kan.