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Das Andere Capitel. Von den dreyen Philosophischen Principiis.
Demnach wir die Natur in vorhergehendem Capitel von aussen betrachtet: Als folgt nunmehr billich / daß wir solche auch von innen betrachten. Derowegen / und wie wir die Natur vorhero beschrieben / daß sie eines jeden sichtbaren Geschöpffs Substanz und Wesen: Also wollen wir anjetzo anzeigen / was sothanes Wesen sey / und worinnen dasselbe bestehe? Jetzt- und mehrberührtes Wesen aber ist nichts anders / oder bestehet in nichts anders / als in den dreyen Philosophischen Principien.
Da man dann ebenmäßig fragen möchte / was die Philosophische Principia seyen? Worauff ich und zwar nicht auß blosser speculation, wie einer oder zween / so genannte neue Physici, die sich selbige zu definiren underfangen / und doch deren eigenen Geständnuß nach / ihr Lebtag keines gesehen / noch gewust / was eines oder das andere ist / sondern (Gott Lob) auß eigener Erfahrung / antworte / und sage: Daß gemelte Philosophische Principia, so von ihnen den Philosophis, Sal, Sulphur und Mercurius genennet werden / nichts anders seyen / als die Elementa;
Dann der Mercurius ist die Lufft / der Sulphur das Feuer / und das Saltz ist das Wasser / und auch zugleich die Erde / und der Leib der andern allen / wie hernach vermeldet werden wird.
Die Elementa seynd obdeducirter massen / wiederumb nichts anders / als ein Wasser / gleich wie sie auch alle auß dem Wasser herkommen / und entsprungen seynd.
Dahero ich mit dem Authore der Offenbahrung Göttlicher Majestät spreche: Ist nicht der Lufft ein Geist / und wird doch darauß ein Wasser.
Daß das Feuer Wasser sey / thut so wohl der von Nuysement, als jetzt- und dickbemelter Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät / mit sattsamen Gründen beweisen. Alwo dieser auch in folgende Wort außbricht / und sagt: Ist nicht der Blitz / so etwas anzündet / ein Feuer / und wird doch auß dem Blitz ein seeliger Regen. Massen diesem D. Müller in seinem Geistlichen Liebeskuß, so fern beystimmet / in dem Er nemblich dem Blitz und dem Regen einen Ursprung zuschreibet.
Deßgleichen ist das Saltz eine Erde / und wird doch darauß ebenfalls ein Wasser.
Dieses / sage ich / seynd die drey Philosophische Principia, und die drey Philosophische Principia seynd die Elementa.
Der Mercurius ist / wie gedacht / die Lufft / der Sulphur ist das Feuer / und das Saltz ist das Wasser: Und eben dasselbe ist auch wiederumb die Erde / so dann und nicht weniger der Leib / vermittelst dessen / sage ich nochmahln / dieser triplex Spiritus sichtbar und begreifflich ist / auch in drey underschiedliche hypostases und principia zerlegt / und philosophicè tractirt werden kan; Gestalten de Nuysement mir hierinn stattlich beystehet / wann Er spricht: Nihil absque Sale in sensum visus aut tactus venit. Wie auch obangeregter massen der Author der Offenbahrung Göttlicher Majestät / schreibet / daß das anfänglich unsichtige Wasser / von GOtt dem HErrn mit einer Schale überzogen / und demselben ein Ansehen gemacht worden.
Welcher triplex Mercurius (secundum de Nuysement) sage ich gleichfalls nochmahln / die Natura naturata, der Philosophorum vulgarium causa efficiens, forma, & materia ist / davon dieselbe so viel geschrieben / und so manche definition erfunden / und doch nicht gewust haben / was sie ihren discipulis damit bedeuten wollen. Ich spreche der Philosophorum vulgarium causa efficiens & forma &c. Quandoquidem veram causam efficientem, omninòque formam ignorant, neque enim eorum forma & Natura in ipsa est rerum Naturâ: Ergo illis nihil remanet, præter Elementa, quæ utique (physicè loquendo) omnium sunt rerum principia, ex iisdemque omnia creata visibilia, ut loquuntur, composita sunt. Quem in sensum etiam accipio Nuysemannum, dum dicit: Mundum habere Spiritum, Animam & Corpus. Etenim per Spiritum aërem, per formam sive animam ignem, & per corpus sal intelligo.
Und so viel auff dißmahl hiervon.
Demnächst ist auch alhier zu erinnern / was Basilius sagt / Nemblichen: Und will dir endlichen in der Warheit und durch die Liebe Gottes dieses noch offenbahren / daß die Wurtzel des Philosophischen Schwefels / der da ein himmlischer Geist ist / mit der Wurtzel des Geistlichen übernatürlichen Mercurii, so wohl der Anfang des Spiritualischen Saltzes / in einem ist / und in einer Materia gefunden wird / und nicht in vielen Dingen: Ob gleich der Mercurius für sich von allen Philosophis / und der Schwefel für sich / neben dem Saltze / insonderheit angezogen wird / so sag ich dir doch / daß solches alles nur auff ihre Uberflüssigkeit zu verstehen / welches in jedem am meisten gefunden wird / und particulariter in viel Weg mit Nutzen kan gebraucht und bereitet werden / zu der Artzney und Veränderung der Metallen.
Allein das Universal, als der höchste Schatz der irdischen Weißheit / und aller drey anfahenden Dinge / ist ein einiges Ding / und wird in einem einigen Ding funden / und herauß gezogen. Sintemahl darauß nicht allein / was oberwehnt / sondern auch zuvörderist erhellet / daß die Principia Philosophica nicht auß underschiedlichen Dingen (sie seyen gleich nochmahln einander so nahe verwandt / als sie immer wollen) sondern einem einigen Subjecto zu ziehen. Allermaßen die jenige nochmahl gantz unrecht daran seynd / welche den Mercurium auß einer; dann den Sulphur, und wiederumb das Sal auß einer andern materia zu extrahiren vermeynen; Gestalten ich auch ferner ermahnet haben will / daß man in extrahendis principiis istis ordine, und ja nicht præposterè procedire / damit man nicht die materiam verderbe / und die Zeit zugleich verliere.
Quoad secundam operationem. Dieweil diese Arbeit gar für leicht gehalten / auch davon bey dem Hollando, Kellæo, Filio Sendivogii, und andern gnugsamer Bericht gefunden wird; Als lasse ichs / und bevorab in deme meine Meynung nicht ist alhie eine außführliche Practicam und Proceß zu beschreiben / darbey billich bewenden.
Hingegen aber so achte ich à propos, zu mehrer Erklärung vorangezogenen Spruchs Basilii zu melden / was massen darauß gleichfalls sattsam abzunehmen / welches die rechte Philosophische Particularia seyen / und worauß sie fliessen; Wie dann solches Filius Sendivogii gleichfalls mit nachfolgenden Worten zu erkennen gibt / wann Er schreibet:
Primò est Lapis Philosophorum, qui omnium primàs obtinet, hunc sequitur Tinctura Solis & Lunæ ad rubeum & album, postea Tinctura Vitrioli & Veneris, nec non Tinctura Martis, quarum utraque tincturam Solis in se habet, si modo ad fixationem perseverantem deducta fuerit, hanc excipit Tinctura Jovis & Saturni, ad coagulandum Mercurium, denique ipsiusmet Mercurii Tinctura,
hæc est igitur differentia & multiplex diversitas Lapidum & Tincturarum, omnes tamen ex uno Semine exque unica matrice generatæ sunt, unde genuinum opus universale itidem profluit, extra quam nulla præterea Tinctura Metallica adinvenire unquam potest, in omnibus inquam rebus, quomodocunque nominentur.
Dahero pro Regula infallibili zu halten; Daß kein außträglich particular / so nicht ex fonte universali gehet.
Wie auch hiehero gehört was Bazdorff. saget: Daß kein außträglicher particular sey / als wann man Gold und Silber zusammen schmeltze / daß sie kein Mensch scheiden könne. Inmassen dann diese letztere Wort anzeigen / daß solches allein von Philosophischen ex fonte universali kommendem Gold und Silber zu verstehen sey; Sintemahln das mineralische Gold und Silber nimmermehr also zusammen zu schmeltzen / daß sie nicht wieder von einander geschieden werden können: Und weil von diesem particular under andern der zu Nürnberg Anno 1667. getruckte Irrweg der Alchymisten / mehrern Bericht gibt; So will ich den Leser dahin gewiesen / bevorab aber aller andern / wie gedacht / nicht ex fonte universali gehenden Particularien (als welche nichts dann Betrügereyen seynd) müssig zu stehen / gewarnet haben.