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Part II — Chapter 1: Nature

In mehrer Erwegung (und zwar erstlich von den Universalien zu reden) das Regenwasser / ob es schon dem Subjecto artis Hermeticæ gantz nahe verwandt ist; Massen ich auß sonderbarer von einem vornehmen Medico mir erzehlter Erfahrung weiß; So lässt sich doch dieses mit jenem / und hinwiederumb jenes mit diesem / noch auch sonsten eines dergleichen mit einem oder dem andern / im geringsten nicht philosophicè tractiren / weniger figiren; wie man auch anders wird erfahren müssen / was Antonius de Abbatia schreibet: So etwan etliche die rechte Materiam bekommen (deren doch sehr wenig seynd) so vermischen sie sie doch / daß sie sie verderben / und zu nicht machen &c.

Und dißfalls ferner einige Exempel in specie beyzubringen / so ist mir von dreyen underschiedlichen Personen bewust / deren der eine mir nahe verwandt / der andere seiner Meynung und dem Ruff nach / ein guter Philosophus, und der Dritte erwehnter Medicus gewesen / daß sie alle drey lange Zeit also vergeblich laborirt haben;

da auch dieser mir weiter erzehlt / was gestalt ein anderer den Thau zu dem Subjecto artis Hermeticæ gebraucht / der aber gleichfalls zu keinem rechten Zweck gelangen mögen: Er selber hat wiederumb zu dem Regenwasser eine gewisse Erde genommen / und die principia seinem Vorgeben nach / also herauß gebracht / daß sie sich mit dem corporalischen Gold und Silber conjungirt; Gleichwohl dessen ohnengeachtet / vermög seiner ebenmäßigen eigenen Geständnuß / in secundâ operatione nicht reussiren / noch das Werck zur Vollkommenheit bringen können. Allwo dann einig und allein die Ursach gewesen / daß sie die Natur nicht recht erkennt / und betrachtet / noch die waaren principia Physices gewust und verstanden / oder beobachtet haben.

Ad particularia zu schreiten / sehen wir ja abermahl selbst / daß auß keinem animali ein vegetabile, und wiederumb auß keinem vegetabili ein animale generirt, und gezeuget wird / sondern es hält abermahl eine jede Natur ihre Ordnung / so gar / daß von einem Pferd keine Kuhe / von einer Kuhe kein Esel / von einem Esel kein Schwein / von einem Schwein keine Geiß / von einer Geiß kein Schaff / von einem Schaff kein Hund &c. fallen thut: Deßgleichen wächst auß Salat-Samen kein Köl / auß Köl-Samen kein Rettich / auß einem Apffelkern kein Birnbaum &c. Und Christus der HErr selber sagt: Kan man auch Trauben lesen von den Dornen / oder Feigen von den Disteln? Allermaßen auch letzlich auß keinem minerali ein animale, oder vegetabile kan zu wegen gebracht werden.

Derohalben die jenige noch mehrers irren / welche in sothanen particularien (erstbesagte mineralia und metalla keines wegs außgeschlossen) das so genannte semen Metallorum, und die Tincturam Physicam zu suchen / und zu finden vermeynen. In reyffer Erwegung und gleich wie oben im Ersten Theil authoritatibus & rationibus sufficientissimis, daß zu præparirung einer universal-Medicin ein für alle mahl auch eine universal-Materia gehörig / probirt: So dann und nicht weniger erinnert worden / was gestalten die Resolutio oder Reductio der particularien in primam materiam & principia universalia unmüglich sey;

Also ist es zumahl an deme / inmassen unden ebenfalls mit mehrerm demonstrirt werden wird / daß die mineralia und metalla keinen particular Samen haben / sondern gleich ersten Anfangs auß den Elementen entspringen; wie sie dann auch nicht wachsen / noch sich besämen und ihres gleichen zeugen / &c. und davon weyland der Frantzösische Poet / referent. D. Dienheim also gedichtet:

Pourtant ne se vente la gente, Et dise soubs ce mot notable, Toute chose fait son semblable. C’est mal dit, quant aux mineraux mais bien est vray des vegetaux, Et des sensitifs vrayement. Car ils prennent nourissement. Ils se sement & se plantent, les metaux jamais rien ne sentent. Et sont aussy grand an dernier. comme ils sont en leur an premier. Des Elements prennent leur Estre, par nature en l’Element terrestre.

Derowegen klar und offenbar / daß die Metallen auch durch keinen particular- oder einigen andern / als den universal-Samen / oder Natur / benanntlich die Elementa (als darinn einig und allein das waare Gold / so noch in seiner wachsenden Wurtzel / mit der Astronomia inferior. also zu reden / oder zu schreiben / zu finden) verwandelt / oder verbessert werden können. Welches dann warlich der Eckstein ist / daran sich sein Lebtag so viel tausend gestossen: In deme man nemblich in den falschen Wahn und Irrthumb gerathen / und denen Mineralien und Metallen / gleich den Animalien und Vegetabilien / einen eigenen Samen zugeschrieben und angedichtet.

Gestaltsam die gemeinen Alchymisten und Laboranten sich noch auff den heutigen Tag understehen mehrangeregtes Semen Metallorum, und die Tincturam Physicam in offtterwehnten Metallen und Mineralien / ja so gar in den Animalien / und Vegetabilien / also die starcke in den schwachen / und die Krafft in den ohnmächtigen zu suchen; Ohngeachtet Comes Bernhardus Trevisanus vor mehr / als ein hundert Jahren / sich uns selbsten zum Exempel dargestellt / und mit seiner eigenen Erfahrung bezeuget / daß Er in all solchen particularien viel / viel Jahr mit Auffwend- und Verzehrung eines guten Theils seiner Herrschafft und darüber erlittener Verachtung von seinen Freunden / vergeblich gearbeitet / biß Er endlich / und zwar in seinem hohen Alter / durch Undersuchung der Philosophischen Bücher / zur Erkanntnuß seines Irrthumbs gelangt.

So hat zu unserer Zeit Henrich von Baßdorff / auß ebenmäßiger eigener Erfahrung / fünff sonderbare Irrweg / nimirum ex Marte, Jove, Venere, Saturno & Mercurio, umbständ- und außführlich beschrieben / und daß Er ohnangesehen der / und zwar bevorab in diesem letzten Subjecto gefundenen vortrefflichen apparentien / jedoch sein Vorhaben darinn so wenig / als in den andern erreichen mögen / uns zur Warnung deutlich und treuhertzig berichtet.

Dahero berührte Alchymisten und Laboranten sattsam zu verstehen geben / daß sie die Erkanntnuß der Natur nicht haben; wie auch derohalben dieselbe nimmermehr zu einem rechten Zweck werden gelangen können / sondern immerdar in ihrem Irrthumb stecken bleiben müssen. Aldieweilen unfehlbar wahr ist / was Sendivogius sagt: Sine lumine & cognitione Naturæ impossibile est, hanc assequi artem.

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