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Part II — Chapter 1: Nature

Ich habe so wohl alhier / als anderer Orten / meine Meynung jederzeit rationibus, & authoritatibus, auch zum öfftern experientiâ ipsâ erwiesen / und dargethan. Ist nun jemand der mir einen begangenen Fehler zeigen / und mich eines und das andre besser lehren will; So bin ichs zu erwarten / und ihme darumb Danck zu sagen / erbietig.

Uber das / begehre ich die Philosophische Schrifften keines wegs / und zwar so wenig der Heyden selbst / als ihren imitatorum und Nachfolgere / zu verachten / oder zu verwerffen / wie ich mich auch selbsten viel zu wenig darzu weiß / sondern allein hierdurch zu erinnern / daß man dieselbe gegen der H. Schrifft reyfflich erwegen möge / damit man nicht an statt der Weißheit / die Thorheit antreffe / und ergreiffe:

Dann ich concedire zwar / daß der Glaub auß dem Wort Gottes zu erlernen: Frage aber hinwiederumb: Ob nicht der Articul von der Schöpffung auch ein Articul / und zwar der Erste Haupt-Articul des H. Christlichen Glaubens seye? Worauß soll man dann denselben / und die Geschöpff Gottes / was die Natur / und wie sie erschaffen / besser / weder auß der H. Schrifft erkennen und lernen? als darinn von dem Schöpffer / nemblich GOtt dem H. Geist selbst / und durch dessen Eingeben / solches beschrieben worden?

Will man nun den Heydnischen Philosophis und ihrem Anhang mehr / dann diesem Authori glauben / lieber im finstern tappen / als in dem hellen Licht wandeln / lieber auß einem trüben Wasser / weder dem rechten lebendigen klaren Brunnen trincken / so stelle ichs dahin.

Jedoch will ich darbey noch dieses zu observiren ermahnet haben / was nemblichen Lipsius schreibet: Daß ohne die Religion (und per consequens ohne die H. Schrifft / als der Richtschnur derselben / gestalten er ebenmäßig an einem andern Ort spricht / daß Er von keiner andern Seeligkeit wisse / als die in der H. Schrifft befindlich) die Philosophia nichts anders sey / als Jeckerey / Narrenwerck / und Unsinnigkeit.

Item was Er ferner mit Tertulliano sagt: Wer hat die Warheit ohne GOtt erkennt? Wer hat Gott ohne Christum erkennt: Niemand. Deme ich abermahl dieses addire: Wer hat Christum ohne Gottes Wort und die H. Schrifft erkennt?

Niemand. Ergò: Weil ohne Gottes Wort / und die H. Schrifft / weder Christus / noch GOtt / noch die Warheit erkennt werden kan / so folgt nochmahln / daß die Philosophia ohne Gottes Wort und die H. Schrifft / nichts anders / als Jeckerey / Narrenwerck und Unsinnigkeit sey. Wiewohl ich auch die Mißbrauch / die einer oder der ander seine Meynung in Philosophia zu behaupten / die H. Schrifft gantz ungereimt allegirt / keines wegs approbirt haben will. Und so viel ebenmäßig hiervon.

Damit ich nun wiederumb ad propositum und zur application des jenigen / was biß dahero gelehrt worden / schreite; So ist (fürs Erste) wohl zu beobachten / daß alles durch Gottes Wort geschaffen: Derohalben auch alles (wie oben im Ersten Theil gleichfalls demonstrirt worden) in Gottes Wort bestehet / und alles dardurch verwaltet / geleitet / regieret / erhalten / ernehret / und vermehret wird. Inmassen abermahl St. Paulus spricht: Es ist alles von ihm und zu ihm geschaffen / und es bestehet alles in ihm. Und die glossa B. Lutheri Psalm. 90. in verb. Lässest sterben. sagt: Es sterben immer die Leuthe hin / und kommen doch andere wieder durch Gottes Wort. Deßgleichen schreibt der seel. Arnd: Die ernehrende Krafft im Brodt / ist das Wort Gottes.

Dahero und zumahl das Gewässer verbo Dei universali & substantiali (λόγῳ ὑποστατικῷ, & quidem immediatè, uti dictum) erschaffen / und die Kräffte der gantzen Natur hat. Als ist dieser Schluß abermahl bestättiget: Daß auß dem Regenwasser (ebenfalls) eine universal-Medicin zu præpariren sey.

Dann und zu deme / wie oben im Ersten Theil ebenmäßig erwiesen / die Wasser in der Scheidung an sich selbst nicht verändert worden / so schliesst sich auß jetzt- und vorangeführten Gründen auch insonderheit / daß das jenige / was in diesem Kraut primariò würcket / daß das Haupt und Hirn / ingleichem das Hertz dardurch gestärckt: In jenem daß die Brust und Lungen gereinigt: In einem andern / daß die verstopffte Leber / und Miltz geöffnet; wiederumb in einem andern / daß der Magen confortirt: abermahl in einem andern / daß (s.h.) der Schweiß und Urin dardurch getrieben und befördert wird / das würcket auch dergestalt in dem Regenwasser (und bevorab unserm Subjecto) und der darauß præparirten universal-Medicin, daß vermittelst Göttlicher Hülff und Gnaden / alle Kranckheiten dardurch können curiret und geheilet werden. Gestalten dasselbe (nicht weniger / als erst- und mehrberührtes unser Subjectum) mag anatisirt, und in ein summum temperamentum gebracht werden.

Hingegen und dieweil die particular-Naturen / λόγῳ προφορικῷ, wie mehrmahls angezeigt und erklärt worden / geschaffen / und demnach auch eine jede nur ihre angeschaffene particular-Krafft hat; So folgt gleichfalls unwidersprechlich: Daß solches auß deren keiner / und zwar auch so wenig allen ins gesammt / als auß einer allein geschehen könne. Sintemahln das axioma qualis causa, talis effectus. Deßgleichen der Spruch Ristii: Ein jeder Anfang muß von seinem Ende / und ein jedes Ende von seinem Anfang zeugen / waar und beständig bleibet.

Derwegen auch sothane particularia keines wegs zu anatisiren / noch in ein summum temperamentum zu bringen / sondern es behält ein jedes seine particular-Krafft / oder es wird ihme solche durch ein anders / wo nicht gar benommen / jedoch zum wenigsten geschwächt / und hat alsdann keines seine rechte Würckung / allermaßen man gewahr werden muß / daß die composita in den Apothecken / offtmahls mehr Schaden / als Nutzen verursachen.

Welches alles dann umb so viel mehr statt hat / alldieweilen (fürs andere) Gottes Wort / wie es ewig / also auch unveränderlich: Als ist per consequens die Natur gleichfalls unveränderlich. Gestalten eine jede Natur ihre Ordnung in Gottes Wort so punctuel und unverbrüchlich hält / daß es mehr zu verwundern / als gnugsam außzusinnen und zu beschreiben. Und wann wir dessen kein ander Exempel hätten / so könten wir es doch an Tag und Nacht / an Sonn / Mond / und Sternen / und deren ordentlichen Lauff und Abwechselung / überflüssig abnehmen.

Dannenhero / und auff daß ich recht zum Zweck schreite / zu deme ich anjetzo de Tinctura ad transmutationem Metallorum ebenmäßig zu handlen vorhabens bin; So sage ich mit allen Philosophis für gewiß / und waar / daß keine Natur durch die Kunst anders als in und mit ihrer Natur / und ursprünglichem Samen / verwandelt / oder verbessert werden könne. Wie dann auch insonderheit Nuysement recht und wohl schreibet: Nihil figi potest, nisi sit homogeneum & unius solius Naturæ.

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